Erster beim Bremer Blitzen!

Um elfe ging’s los bei den Bremer Blitzmeisterschaften in Lilienthal. Ab zehne konnte man sich anmelden, für knapp 50 Startplätze insgesamt. Und ich war schon um neune dort und ließ meine Aura in den Turniersaal wehen – nebenan nämlich ist das Lilienthaler Hallenbad, hübsch, hübsch, und früh schon sprang ich dort ins Becken.
Und somit war ich Erster, vor Ort, beim Bremer Blitz 2023. Yeah!


Erster beim Blitzen!


Gleich geht auch das Turnier los

Wer nun dachte, dass mich dieser frühe Titelgewinn ganz befreit aufspielen lassen würde, der hatte sich geirrt. Und wie! Gleich die erste der fuffzehn Runden verlor ich sekundenknapp auf Zeit, sammelte dann sehr manierliche vier Punkte in Folge, um bis zur Mittagsruhe noch drei weiteren Nullen einzupflegen. Nicht gut.

Vielleicht war meine rechte Zughand beim frühen Hin-und Herschwimmen schon zu stark beansprucht worden? Am feinen Kaffeeangebot der Schachfreunde Lilienthal jedenfalls hat es nicht gelegen.

Vorne im Meisterschaftsfeld tummelten sich mit IM Christian Richter und FM Collin Colbow (beide Werder Bremen) sowie Tobias Kügel (Cosmos Kirchweyhe) drei äußerst titelgewinnverdächtige Apologeten des schnellen Schachs. Gut, dass ich meinen Titel schon sicher hatte – gegen diese drei und viele andere auch kam ich am Brette heute nicht an.

Insgesamt warfen vierzig Teilnehmer ihren Turnierhut ins Rennen, eine äußerst respektable Zahl für unser kleines Bundesland. Schließlich hat Bremen nur 500.000 EinwohnerInnen, und würde man dieses Verhältnis auf das gelobte Land der Bayern hochrechnen, ja mei, da müssten bei 13 Millionen BajuwarInnen glatt über 1.000 Spieler zum Blitzen antreten, um eine ähnlich hohe Quote zu erzielen.
Echte Schachleidenschaft, so ist das in Bremen. Da kann der Landesverband stolz auf sich sein!
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Da das Turnier mit 5 Minuten Bedenkzeit ohne weiteres Inkrement-Gedöns durchgeführt wurde, sah das interessierte Publikum so manches klassisches Gehacke bei beidseitig knappen Restsekunden. Remis wurde auch mannhaft abgelehnt mit einer Qualität weniger im verlorenen Endspiel – die Uhren tickerten hier für die Springerpartei, egal wie platt die Stellung war.

Nun ist es selten eine Freude, so über die Zeit gezogen zu werden, das Ganze ist nicht sehr gentleman-like, und auch Kramnik hat Ähnliches bereits moniert. Indes, so sind oder waren schon immer die Regeln, und die Zeit ist Teil des Gesamtpaketes.

Gut nur, dass mittlerweile mit den üblichen 2 Sekunden Inkrement gespielt wird. Auch für das Bremer Blitzen erfolgt die Zeitumstellung auf 3+2 im kommenden Jahr, avisiert schon heute von Turnierleiter Peter Frei, der die Veranstaltung zusammen mit Schiri Lukas Monnerjahn mit viel Umsicht und in fabelhaftem Rhythmus leitete.


Meister Collin gegen Meister Tobias

Knapp am Ende das Klassement – die drei schon zu Beginn preisverdächtigten Kandidaten fielen mit formidabler Punktausbeute über die Ziellinie, verstärkt um ein Urgestein aus Delmenhorst:

1) Tobias Kügel, 12,5 Punkte
2) Christian Richter, 12,5 Punkte (2.Sonderwertung etwas schlechter)
3) Collin Colbow, 12 Punkte
4) Blitzhand Fred Hedke (SK Delmenhorst)


Von links nach rechts in Lilienthal: Turnierleiter Peter Frei, Fred Hedke, Collin Colbow, Christian Richter, Tobias Kügel,
Schiri Monnerjahn, Oliver Höpfner (Präses des Bremer Landesverbandes); Foto: Anke Weidenhöfer

Der Berichterstatter kam nach der Mittagsruhe etwas besser in die Hufe und fand sich schließlich mit 8,5 von 15 Punkten auf Platz 9 ein. Insgesamt zu viele Lücken im Weiß-Repertoire (nur 2,5 Punkte aus 7 Partien) und der oft vorschnell eingestreute Angriffszug g2-g4! verhinderten nicht ganz zu Unrecht ein besseres Abschneiden.

Es bleibt ein schwieriges Spiel, dieses Schach. Aber durch solche Tage müssen wir alle ja mal durch. Wibbly wobbly Blitz Chess.

 

Olaf Steffens

Ich bin FIDE-Meister seit 1997 und spiele seit 2007 für Werder Bremen. Größte Erfolge: Landesmeister von Schleswig-Holstein 1994, Erster Deutscher Amateur-Meister 2002. Größte Misserfolge: Werd´ ich hier lieber nicht sagen! Diplom-Handelslehrer, ich unterrichte an einer Bremer Berufsschule Englisch, Buchführung und Wirtschaft. Lest weiter hier: https://veganeschachkatzen.de/ueber-mich/

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2 Comments

  1. Hey Holger,
    da sagst Du was. Als ich das letzte Mal durchzählte, waren wir hier noch zu 500.000 in Bremen. Da ändern sich die Vorgaben ja für Bayern auch – hätten die Bayerischen Blitzmeisterschaften etwas unter 1.000 TeilnehmerInnen, würde das den gestrigen 40 Spielern in Bremen entsprechen.

  2. Nun mal nicht tiefstapeln, Olaf – laut Bericht des statistischen Landesamtes Bremen liegt der Bevölkerungsstand der zweitgrößten Hansestadt deutlich über 500.000 – mit Stand von Juni 2022 waren es 565.011 (und dann gibt es ja auch noch Bremerhaven).

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