Als ich mal mies stand in Ostfriesland

Herbstliches Ostfriesland, grauer Himmel, karge Felder, hm. Kleine Perle Leer, inmitten der nordwestdeutschen Weiten – hübsch hier, am Hafen, in der Altstadt, alles sehr entspannt. Und will man zum Wasser, klettert man den Deich empor und guckt ein bisschen auf die Ems.


So sieht das aus hier

In meinem ganzen langen Schachleben habe ich glaube ich nur zweimal auf ostfriesischem Boden gespielt. Einmal im Viererpokal mit der Bremer SG, erste Runde in Aurich oder so – puuuh, das ist schon lange, lange her.

Und einmal in der Oberliga, auch mit der BSG bei den stets gefährlichen Jeveranern, die uns damals recht gefällig von den Brettern putzten. Ich konnte noch so gerade entkommen – doch war es knapp.

 

Das heute nachmittag im Ostfriesenhof in Leer anlaufende Schachturnier liegt bereits in der Luft, es ist mein zweites nach den langen Corona-Monaten 2020/2021. Schnell noch ein Turnier spielen, ehe die vierte Welle kommt? Mal sehen. Gut zu wissen, dass so ungefähr vermutlich alles in den gewohnten Bahnen verlaufen wird:

– 32 Steine auf 64 Felder

– Weiß beginnt

– sieben harte Runden, sieben schwere Gegner

– spannende Partien! mit insgesamt sieben Tassen Kaffee (oder mehr)

– Sorge um die ELO

– Sorge um die DWZ

– Sorge vor Partiebeginn: welche Eröffnung soll man spielen?

– Sorge nach Partiebeginn: ist das Handy wirklich ausgestellt?

– und der Handy-Wecker auch?

– Euphorie nach einem vollen Punkt

– Agonie nach einem weniger vollen Punkt

– wenn es ganz schlecht läuft: Auftaktniederlage!

– Wehklagen nach Partieende: warum habe ich im 36.Zug nicht … (dieses, jenes) gespielt?

– dann: genügend Zeit für Frustation, Missvergnügen und ganz allgemein die Sinnfrage. Ähnlich wie bei den Münchner Bayern

– langsames Reinfinden in das Feld der Teilnehmer – neue Menschen kennenlernen, alte Freunde und Bekannte wiedertreffen, Klönschnack und auch nur mal so rumsitzen. Und Musik hören vielleicht, während man rumsitzt.

– noch einen Kaffee trinken, denn der ist hier – ebenso wie der Tee – frei. Wow!

– vier Tage, die mit Doppelrunden wie im/ am Zuge vergehen

Mal sehen also, was passiert, hier beim großen Herbstopen in Leer. Schön, mal wieder Zeit zu haben für ein Turnier!

***

Alldieweil wir ja hier in Niedersachsen sind, hier ein sehr schöner Beitrag zur guten Schachkultur, eingespielt von der Niedersächsischen Schachjugend (NSJ).

Und wirklich, nach der langen Pause am Brett und den vielen Monaten im Online-Betrieb – kann man sich ja mal ansehen, wie das eigentlich noch war mit den ganzen schnöden Benimmregeln im echten Turnierschach. Danke an die NSJ!

 

Olaf Steffens

Und sonst so?

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4 Comments

  1. Die Chronik des altehrwürdigen Lübecker SV von 1873 weiß zu berichten, dass Olaf bis 1999 dessen zweite Mannschaft verstärkte… (und um das Remis zu sichern, wird der Springer wohl temporär seinen Vorposten verlassen müssen)

    • Ja, so sieht es aus. Große Duelle auch damals, mit dem LSV gegen den Hamburger, und Hebbinghausen – Steffensen direkt am Brett!
      Zum Pokal nach Ostfriesland kam ich dann wirklich erst später, in den Wirkungskreis von Umumba.

      Und yep, der Springer muss ziehen, aber besser nicht sofort.

  2. Zu beiden deiner Auftritte in Ostfriesland gibt es Gesprächsbedarf:

    1. Jever liegt nicht in Ostfriesland. Es liegt laut Wikipedia in „Ost-Friesland“ oder auf der „ostfriesischen Halbinsel“, was außerhalb Ostfrieslands oft alles als Ostfriesland bezeichnet wird („alles zwischen Dollart und Jadebusen“). Als gebürtiger Ostfriese muss ich aber doch darauf bestehen, dass sich das echte Ostfriesland nur aus den Landkreisen Aurich, Leer und Wittmund sowie der Stadt Emden zusammensetzt. Jever hingegen liegt im Landkreis Friesland (der zum oldenburgischen zu zählen ist), der (und nun wird es tatsächlich etwas kompliziert) östlich von Ostfriesland liegt!
    Auch schachlich ist die Unterscheidung übrigens so: Der Schachbezirk Oldenburg-Ostfriesland (SBOO) setzt sich aus den beiden Unterbezirken Oldenburg und Ostfriesland zusammen, die die oben erklärten Grenzen haben. Für mich als Wittmunder hatte das früher immer die Folge, dass wir in der Unterbezirksliga (Esens, Leer, Emden, Aurich, Norden, aber auch Rhauderfehn (!) und Holthusen (!!)) oft deutlich längere Fahrten hatten als in der höheren Bezirksklasse, in der Jever und Wilhelmshaven mitspielten (Wittmund liegt an der östlichen Grenze Ostfrieslands).

    2. Der Auswärtskampf der BSG im Viererpokal vor langer Zeit: Könnte das am 30.11.1997 gewesen sein und nicht etwa in Aurich, sondern in Wittmund?! Wie meine Datenbank weiß, spielte ich (ca. 1600 DWZ) damals erstmals gegen einen Spieler über 2000 (Axel Jürgenlimke), der mich problemlos zusammenschob. Ob du aber dabei warst? Vielleicht auch nicht und du warst doch in Aurich (wo du in den 90ern ebenfalls auf Roman Korba hättest treffen können, damals dort das große Talent).

    • Oha, wieder was gelernt! Jever hat sich in meinem Bewusstsein als Ostfriesland eingenistet, von guten Bekannten her, die meinten alle, sie wären Ostfriesen. Knifflige Frage. Vielleicht kann man als Kompromiss sagen, es ist der friesische Teil Ostfrieslands?

      Pokalspiel der BSG, da war ich nicht dabei, wo du mit am Start warst für Wittmund. Da hat sicher aber Wittmund gewonnen, auch wenn Du verloren hast?

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