Eo – Mein Leben als Esel

Schnell, allzu schnell bringt man sich beim Schach um seine Punkte. Da nützt es nichts, lange dem Drang zum Fehlermachen wacker widerstanden zu haben, denn irgendwann bricht der Wahnsinn durch und eine weitere krude Idee bahnt sich aus dem Kopf über die Hand den Weg aufs Schachbrett.

Und schon sehen wir – was für ein Gurkenzug! Oder, so hätte man früher vielleicht gesagt – was für eine Eselei.

Hier sind drei Beispiele aus meinem Leben als Esel.

1) Paul Meyer-Dunker – Olaf Steffensen, DSOL-Vorrunde 2022, SKJE Hamburg – Werder 2


Schwarz steht ganz kommod, eigentlich droht ihm nichts. Eine perfekte Gelegenheit also für eine kleine Eselei!
Mein ehrenvolle Idee, nun mit 1…fxe5 die f-Linie gegen den weißen König zu öffnen, wurde nicht zu einer Sternstunde meiner Karriere. Wie antwortete Paul?
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2) Stephan Bruchmann – Steffensen, Rotation Pankow – Werder 2, 2.Bundesliga Nord 2022

Schwarz steht wieder ganz kommod, eigentlich droht ihm nichts. Eine weitere perfekte Gelegenheit für eine kleine Eselei!

Mein ehrenvolle Idee, nun mit 1..Sc6xe5 die Linien gegen den weißen König zu öffnen, war kein Highlight meiner Karriere.
Die Hauptidee ist 2.dxe5, Le7-c5+ 3.Lc1-e3, Sf7xe5

Weiß kann den Springer e5 nicht nehmen, weil dann 4….Txh2 kommt. Zugleich droht so allerlei, vor allem aber auf e3 und f3 zu tauschen und ein Turmschach auf h1 zu geben – das gewinnt den Turm a1 (!).

Woran aber scheiterte das ganze Unterfangen?
.

3) Steffens – Emile Boucquet, Limburg Open Maastricht 2022


In dieser vogelwilden Stellung, entstanden aus dem Vierspringerspiel, verfiel ich in knapper Bedenkzeit auf 1.Db1-b5, mit den Ideen
a) Der Turm c6 hängt und
b) Die Dame g5 hängt, und ich drohe 2.Sxe4

Sehr schön. Mein starker Gegner Emile Boucquet (ELO 2280, so viel hatte ich auch mal) antwortete mit 1….Tb8-c8 und deckte seinen Turm. Was aber folgte nun nach 2.Sxe4?

***

Ein ganz anderer und viel schönerer Esel kommt in Kürze auf unsere Kino-Leinwände, in Gestalt von EO in einem Film des polnischen Regisseurs Jerzy Skolimowski.
Es ist eine Art Roadmovie aus Eselperspektive, ein Eselwandern für Esel und die Geschichte von Elo Eo, der irgendwie mit uns Menschen zurechtkommen muss. Und das ist ja nie so ganz leicht – wir alle wissen das aus eigener Erfahrung.

Der Trailer macht bereits wehmütig, die Bilder wirken eindringlich und märchenhaft. Hält man das aus?

Mori: This film broke me. What an AMAIZING story telling, photography and soundtrack… Must be seen by everyone.

Justin D: I really hope this message gets seen by anyone worried it will be hard to watch. I promise you, it’s not. It’s beautiful.

(aus der Youtube-Diskussion zum Trailer)

Ansehen konnten wir den Film noch nicht, aber die Schachkatzen-Redaktion glaubt: große Tierrechts-Empfehlung für diese warmherzige Geschichte. Esel, Mensch, Tier – am Ende gehören wir doch alle zusammen, und sollen Rücksicht aufeinander nehmen.

Olaf Steffens

Ich bin FIDE-Meister seit 1997 und spiele seit 2007 für Werder Bremen. Größte Erfolge: Landesmeister von Schleswig-Holstein 1994, Erster Deutscher Amateur-Meister 2002. Größte Misserfolge: Werd´ ich hier lieber nicht sagen! Diplom-Handelslehrer, ich unterrichte an einer Bremer Berufsschule Englisch, Buchführung und Wirtschaft. Lest weiter hier: https://veganeschachkatzen.de/ueber-mich/

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1 Comment

  1. Um es mal positiv zu sehen: Man kann immer noch als schlechtes Beispiel dienen 🙂
    (Die Juniorschach-Reihe hat seinerzeit ganze Bände mit den Werken von Fritzchen Fehlzug gefüllt.)

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