Werderdrei: Max, Du bist’n Held!

Saison vorbei. Klassenerhalt eingetütet. Alles gut!

Ein letztes Mal Oberliga in dieser Saison, alle Mann noch einmal sonntäglich früh aus den Federn, und schon rauschten die Werdermobile über die Autobahn nach Süden.

Hellern hatte geladen, es gab feine Käsebrötchen und Kaffee im Osnabrücker Vereinsheim, später spielte auch noch Fußball-Werder auf den Bildschirmen und – zu unserem Bedauern – verlor beim 1.FC Köln. Schade. Würden wir es besser machen?


Es ist angerichtet

Bereits früh, wenn nicht sogar schon nach wenigen Sekunden, lag unsere grün-weiße Vereinsgesandtschaft im Rückstand. Das Brett von Daniel Chitsazian mussten wir kurzfristig leider unbesetzt lassen und liefen damit alsgleich einem 0:1 hinterher.

Danach geschah im Spielsaal lange Zeit ergebnistechnisch nichts. Züge hier, Manöver dort, gründliches Grübeln, und ab und an einen Kaffee holen.

Es war GM Gennadiy, der mit einem austarierten Remis gegen Alexander Hoffmann die Punktskala ein wenig in Bewegung versetzte. Mehr noch gelang dies Peter, wenngleich nicht ganz in seinem Sinne – nach einer mutig ausgelassenen Zugwiederholung vertat sich Peter bei einer sehr langen Vorausberechnung und erlag einer Fesselung nebst Springergabel von Ingo Gronde.


Unsere Top Drei (von rechts): Gennadiy, Peter und Max 

Wir lagen 0,5:2,5 zurück, und nun ja, auch das war noch nicht das Ende. Hellern füllte nochmal nach und trickste in Gestalt von Turnierkrokodil Jörg Stock überraschend einen weiteren Punkt aufs Tableau. Stephan Buchal, unser verehrter Werder 3-Kapitän in seinem nach vierzehn Jahren letzten Spiel als Werder 3-Kapitän – ebenjener langjährige Liga-Tiger Stephan Buchal stand in einer scharfen Stellung ausgesprochen vorteilhaft, übersah aber ein plötzliches, ein schreckliches Gegenspiel von Jörg, und schon war nichts mehr zu machen.

0,5 : 3,5? Ja. 0,5 : 3,5. Oha.

Doch war dies nicht das Ende! Diese nicht immer ganz leichte Saison hatte ja schon einige staunenswerte Dreifach-Aufholjagden gesehen:

Braunschweig: wir lagen brasilianisch mit 5:0 vorne, Braunschweig gewann die letzten drei Partien zum 5:3

Oldenburg hatten wir zu Hause fast schon in der Tüte, doch sie kamen zurück mit drei vollen Punkten aus den letzten vier Spielen

in Uelzen holten wir nach einigem Rückstand noch auf zum 4:4!

– und … heute?

Klar lagen wir zurück, hoch sogar mit drei Punkten. Allerdings nicht für lang – denn Reiner hatte einen d2-d4-Sahnetag erwischt und drückte Reinhold Happe langsam, aber sicher auf die Grundreihe zurück. Hübsch gemacht vom starken Prof, und Punkt für uns!

Detlev Diedrichsen war uns heute nicht nur ein umsichtiger Fahrer, sondern auch ein tiefgründig-werderanischer Wühler. Zwar verließ er unverhofft die Eröffnung mit einem Minusbauern, diesen aber holte er sich durch behendes Manövrieren am Ende des Mittelspiels wieder zurück. Um dann im Springer-Endspiel eine auf den ersten Blick ganz remisliche Position druckvoll in einen vollen Punkt umzumünzen.


Werders Abwehrreihe steht: Stephan, Reiner und Detlev

Bei mir dagegen war lange Zeit überhaupt nicht viel los. Dann verlor ich wohl die Nerven und warf meine Bauern weit nach vorne – was soll man sagen, unnötig, unmotiviert, unbegründet? Das hätte schiefgehen können, denn es blieben viele weiche Felder, große Löcher gar zurück. Holger Lehmann setzte schon an zum Gegenspiel, allein bei knapperer Zeit übersah er einen Trick und einen Anschlusstrick, und mit einer plötzlichen Mehrfigur kam ich im Endspiel zum Erfolg.

Drei Punkte in Folge? Ausgleich, 3,5 : 3,5!

Und dennoch dunkle Wolken, denn Max Weidenhöfer rang mit Hannes Ewert in einem Turmendspiel um Remis – mit einem ganzen Bauern weniger. War da wohl noch was zu machen?

Eigentlich nicht, so argwöhnten allerhand Auguren. Indes ließ Max sich davon gar nicht stören, tauschte klug ab, führte Hannes mit Irrlichtern auf Abwege und sicherte gegen dessen letzten Bauern ein feines Unentschieden.


Alle Augen auf Max und Hannes

„Max, Du bist’n Held!“, freute sich Stephan beim Gratulieren mit unserem jüngsten Spieler. Und über das Mannschaftsremis, 4 : 4, mit eingebautem Klassenerhalt. Alle Abenteuer überstanden – wir bleiben drinne!

Die Ligakrone 2025/26 geht derweil an DELmenhorst, sie sind Staffelsieger, nordwestdeutsche Meister und tragen schon am kommenden Sonntag ihr Aufstiegsspiel gegen den Lübecker SV aus! Glückauf! Spielbeginn ist um 10 Uhr in Delmenhorst.

Die Nordwestliche Oberliga in ihrer ganzen statistischen Pracht

Hellern – Werder 3 aus Sicht der Helleraner

Olaf Steffens

FIDE-Meister und Spieler für Werder Bremen in der Zweiten Bundesliga, Oberliga und Landesliga. Größte Erfolge: Landesmeister von Schleswig-Holstein 1994, Erster Deutscher Amateur-Meister 2002, Bremer Pokalsieger 2013 und Bremer Meister 2025! Sieg mit 1.b2-b4 gegen GM Sergei Tiviakov beim Jersey Open 2019 Lest weiter hier: https://veganeschachkatzen.de/ueber-mich/

Und sonst so?

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1 Comment

  1. ‚Max, Du bist’n Held!‘ klingt verdächtig nach ‚Du bist ein Riese, Max‘ – eine heimliche Reinhard-Mey-Referenz? Wenn ja: stark in aufs Brett gezaubert!

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