
Verpuppung
Beim Schach ist es ja so: acht Bauern hat man zu Beginn, ein paar verschwinden vom Brett, und im Endspiel macht sich einer von ihnen auf zur gegnerischen Grundreihe.
Bauer weg, Dame her, Materialvorteil!
Der Traum eines jeden Freibauern, vielleicht, ist es, die achte Reihe zu erreichen und sich zur Dame zu … verpuppen.

Lennart Schröder – Olaf Steffensen, Werther 2024.
Gibt es thematische Ideen für Schwarz (am Zuge)? Ein Tip: der Bauer d4 wird zum Helden.
Ähnlich im richtigen Leben, im wirklich wahren Leben, welches es ja außerhalb unserer schachlich – wertungszahlgetriebenen Bemühungen auch noch irgendwo geben soll. So träumen junge FußballerInnen davon, in der Bundesliga zu kicken.
Black Rock – Manager versuchen Bundeskanzler zu werden. Und Frauen – welch‘ ein Klischee, wir bitten da schon einmal dringend um Nachsicht, echt! – Frauen eben wollen geheiratet werden, Mutter werden, und am Besten noch Prinzessin und Königin. Oder alles zusammen?
Doch so einfach ist es nicht.
Denn manchmal werden Frauen gar nicht gefragt. Und doch ist die Erwartung an sie einfach da, immanent, präsent, subtil im Raume eingepflanzt, dass es allemal gut und richtig sei, schöner, toller, ein Kind zu bekommen und Mutter zu werden. Erfüllend mag das dann nicht immer sein. Und dennoch hält sich dieses Ideal.

Schein und Sein. Frauen als Opfer der Gesellschaft, und wo führt das alles hin?
Die Bremer Künstlerin Emese Kazár hat sich malerisch mit dem Ideal der Reproduktion und dem Korsett dieser nur schwer erkämpfbaren Wahlfreiheit auseinandergesetzt – von den früh vermählten Infantinnen der Habsburg-Ära bis hin zu (nanu?) monumentalen chinesischen Seidenraupen, die bei der für sie tödlichen Seidenproduktion auch nicht nach ihrer Meinung gefragt werden.
Emese stellt ihre kraftvollen Werke, Reflektionen und eindringlichen Gedankenbilder ab morgen, Freitag, in Lehrte (oh nein, schon wieder Lehrte!?) bei Hannover aus.
Die Eröffnung von „Verpuppung“ ist um 19 Uhr in der Städtischen Galerie, Alte Schlosserei.
Kommt alle! (Und … bringt vielleicht beiläufig ein Schachbrett mit. Und ein paar Freibauern!?)
Revolutionary Road



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