Unterstützt den Randsport Fußball!

Schon seit einigen Tagen können wir es beobachten – die Fußballweltmeisterschaft im sommerlich heißen Mexiko, in Kanada und sogar in den USA hat begonnen!

Fußball ist ja seit langem schon der schüchterne kleine Bruder des Schachs, und als solcher eine durchaus kuriose Aktivität. Was die Spielidee anbetrifft – man läuft bei diesem „Sport“ mit einem Ball umher und schießt ihn in einen Kasten.

Diese eigenartige Balltätigkeit konnte bislang noch nicht das Medieninteresse erlangen, den unser königliches Spiel spätestens seit Magnus Carlsen, Emanuel Lasker und den ersten Norddeutschen Blitzmeisterschaften innehat.
Trotzdem möchten wir helfen, dem aufstrebenden Fußballsporte unter die Arme zu greifen und ihn aus seinem Mauerblümchen-Dasein zu befreien. Gerne verlinken wir daher auf Anfrage der FIFA (das ist der Weltverband der Fußballer – ja, auch so etwas gibt es) hier bei den Veganen Schachkatzen zum Turnier der Fußspezialisten.

Sogar, so hörten wir mit Erstaunen, wurde eine deutsche Équipe zur Turnierteilnahme geschickt, elf Spieler an der Zahl, dazu offenbar ein eigener Trainer, ein Busfahrer und noch einige Betreuer mehr für die ersten Begegnungen gegen Curacao, die Elfenbeinküste und das ferne Ecuardor.
Selbst einen Pressesprecher gibt es, der den Journalisten sagt, was sie schreiben sollen – ein gutgemeinter Service bei so diesem recht fremdartigen Spiel.

Allein, wir wissen, dass ein Sport kein Publikumssport werden kann, wenn das verehrte Publikum elf Spieler zugleich im Auge behalten soll, die alle auch noch zur selben Zeit über einen riesigen Platz eilen. (Hinzu kommen noch elf gegnerische Spieler und ein Schiedsrichter – was für ein Getümmel.)

Wie ungleich zuschauerfreundlicher ist da doch unser schöner Schachsport – beide Spieler scharen sich um ein überschaubar großes Brett, und sie laufen auch nicht in kurzen Spurts mit Bällen durch die Gegend.
Alles ist hübsch rational beim Schach, und es leuchtet unmittelbar ein, dass es dadurch für Zuschauer aller Altersstufen deutlich einladender und weniger kraftraubend ist, wenn sie nicht elf, sondern nur vier Akteuren folgen müssen – so wie bei den spannenden Spielen unserer Schach-Nationalmannschaft.


Der Hamburger Schachklub hat mit dem HSV im HSK sogar eine eigene Fußballsparte –
kommerziell ist diese aktuell leider aber nur wenig erfolgreich

Trotz aller Marketing-Bemühungen des DFB („Deutscher Fußball-Bund“) steht aber zu befürchten, dass auch diese Meisterschaft im schönen und mitunter autokratischen Norden Amerikas in den einschlägigen Medien (WeserkurierChessbaseSchach-TickerChesspearls from the Bodensea) gar nicht oder, wenn es ganz schlecht läuft, kaum repräsentiert sein wird.
Fußball ist und bleibt offenbar ein Randsport, wie so viele Sportarten in Deutschland, die trotz erheblichen Engagements von der breiten und sportinteressierten Masse eher als exotisch wahrgenommen werden.

So haben beispielsweise die deutschen Handballsportler (eine Disziplin, bei der man einen Ball in die Hand nimmt, um ihn in einen Kasten zu werfen) vor einigen Jahren sogar einen weiteren internationalen Titel ins Land geholt – die SG Flensburg-Handewitt gewann gegen den THW Kiel im Finale der Champions League!

Aber ach, all diese Mühen waren vergebens, denn was taten die deutschen SportfreundInnen in Ost und West? Man sah sie draußen in den Gärten sitzen und Schach spielen, sogar trotz einiger Regenschauer. Und die Handballsportler wurden elegant ignoriert.

In Deutschland hat die Liebe zum Schachsport offenbar eine unerschütterliche Basis – die Fans möchten keine Bälle, die über einen Rasen gerollt werden, nein, das sporthungrige Publikum will seine Großmeister am Brett sitzen sehen und fordert die sizilianische Eröffnung, gefolgt von einem gepflegten Königsangriff, bei dem die Figuren nur so hin und her geopfert werden.
Auch ein flottes Turmendspiel über mehrere Stunden, bei dem man minütlich die Luft anhalten muss, um es rein nervlich überhaupt durchstehen zu können, lockt die hiesigen Sportfreunde seit jeher verlässlich vor die Bildschirme.

 
Das wollen die zahlenden Fans sehen – Dramatik am Schachbrett schon nach wenigen Zügen

Und so werden wohl auch bei der Fußball-Weltmeisterschaft die Schachlokale wie immer prall gefüllt sein mit Anhängern des königlichen Spiels, die nicht etwa einem Fußballer wie Thomas Natürlich haben Sie gelacht Müller beim Laufen zusehen wollen – nein, sie möchten dabei sein, wie der norwegische GM Simen Agdestein im intensiven Blitzschach gewinnt, oder der SC Viernheim den 3.deutschen Meistertitel holt.
(Agdestein, der Exot – dereinst war er norwegischer Nationalspieler im .. Fußball (!), doch schon bald kam er wieder zurück auf den Pfad der Tugend und widmete sich, so wie es sich gehört, dem Schachsport.)

Es ist eine harte Wahrheit – im schnelllebigen Nachrichten-und Unterhaltungsgeschäft wird der Fußballsport mittelfristig keine Chance haben. Zu unüberschaubar allein die Anzahl der Spieler auf dem Platz, und zu stark die Konkurrenz durch Turnierschach, Blitzschach, mithin Onlineschach, und ja, sogar durch das altehrwürdige Problemschach.
Doch wer möchte, kann ja mal reinschauen und zur Abwechslung, aus Neugier, Langeweile oder Solidarität in diesen sommerlichen Tagen Fußball gucken. Es soll dem Vernehmen nach ganz kurzweilig und leicht verständlich sein, doch ist das natürlich kein wesentliches Kriterium für einen attraktiven Zuschauersport.

Die nächste Begegnung heute abend wird ausgetragen zwischen Belgien und Ägypen. Die Partie beginnt mit dem sogenannten Anpfiff um 21 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Doch welch ein Unglück für den Fußballsport– ausgerechnet um diese Uhrzeit sitzen die meisten von uns wohl gerade fröhlich beim Vereinsabend oder spielen Schach im Internet!

Fußball-Blog: Die Grundregeln einfach erklärt
.
(Sobald Sie auf das Vorschaubild des Videos klicken, verlassen Sie unsere Seite und werden auf www.youtube-nocookie.com weitergeleitet.
Trotz datenschutzfreundlicher Einbindung kann es sein, dass YouTube Cookies verwendet. Bitte beachten Sie dafür die Datenschutzerklärung von YouTube  bzw. Google.)
.

Olaf Steffens

FIDE-Meister und Spieler für Werder Bremen in der Zweiten Bundesliga, Oberliga und Landesliga. Größte Erfolge: Landesmeister von Schleswig-Holstein 1994, Erster Deutscher Amateur-Meister 2002, Bremer Pokalsieger 2013 und Bremer Meister 2025! Sieg mit 1.b2-b4 gegen GM Sergei Tiviakov beim Jersey Open 2019 Lest weiter hier: https://veganeschachkatzen.de/ueber-mich/

Und sonst so?

Schach und Klima, das sind wir

Schach und Klima, das sind wir

Heiß, heiß, Baby, dududu, dudududu

Heiß, heiß, Baby, dududu, dudududu

Heute nur ein Bild (aber immerhin)

Heute nur ein Bild (aber immerhin)

AMOC – Wir SchlafwandlerInnen

AMOC – Wir SchlafwandlerInnen

2 Comments

  1. Ganz offensichtlich hat der Fußballsport große Probleme, alle Bretter zu besetzen 🙂 -selbst bei der aktuellen Weltmeisterschaft wurde bislang nur ein einziges Mal an acht Brettern gespielt (es soll sogar schon vorgekommen sein, dass alle Bretter unbesetzt blieben und das Spiel mit 0:0 gewertet werden musste).
    Sehr vorbildlich ist in dieser Hinsicht hingegen der Handballsport – die Anzahl der Bretter ist zwar ausgesprochen variabel, aber doch stets zweistellig.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Das sagen die Leute

Vegane Insta-Katzen

Alle 11 Züge verliebt sich ein Schachspieler (Foto:Artemese G)