Schiedsrichter, Telefon!

In unserer kleinen Regelkunde üben wir heute das Erscheinen am Brett. Beziehungsweise – was geschieht, wenn man sich zwar ans Brett setzt, aber leider an das falsche? Und dort eine halbe Stunde wartet, ohne dass ein Gegner auftaucht?

So kürzlich geschehen beim Open in Leer. Diskret und ohne weitere Namensnennung berichtet Turnierdirektor Edzard Wirtjes, dass Spieler X pünktlich zum Rundenbeginn an Brett 12 in der A-Gruppe Platz nahm – ein  Brett, das aufgrund einer Absage an diesem Morgen freigeblieben war.

Tatsächlich hätte X aber an Brett 13 sitzen sollen, und das nur wenige Meter weiter in der B-Gruppe. So etwas kann vorkommen, wir verstehen das gut, gerade in den frühen Morgenrunden.

Alsdann tickte die Schachuhr los, und Spieler X verbrachte an seinem verkehrten A-Gruppen-Brett 30 Minuten – und kein Gegner kam! Als er schließlich nach Ablauf der Karenzzeit auf Partiegewinn reklamierte, offenbarte ihm der Schiedsrichter, er habe verloren.

Nach seiner Einschätzung war X an seinem eigentlichen Brett der B-Gruppe ja nicht rechtzeitig erschienen. Und hatte somit glatt durch Zeit verloren – wie gewonnen (in Gruppe A an Brett 12), so zerronnen (in Gruppe B an Brett 13).


Bericht auf der Turnierseite

Nun fragen wir die Regelfüchse, Fachanwälte und Rechtsexperten unter den werten LeserInnen ganz direkt:

a) Kann man durch Nicht-Antreten verlieren, auch wenn man im Turniersaal war?

b) Verdient X für sein geduldiges Warten nicht zumindest den kampflosen Punkt in der A-Gruppe? Und vielleicht kann man diesen Punkt dann umrechnen, in einen halben Punkt für die B-Gruppe? Gens una sumus.

c) Und was passiert eigentlich, wenn man sich an ein falsches Brett setzt – und die Partie dort irrtümlich aufgibt? DAS sind doch die großen Fragen.
.

Auch Großmeister können sich in der Brett-Adresse irren – aber sie bemerken ihren Fehler meist in weniger als 30 Minuten. Willkommen, Alexander Grischuk!

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In Leer jedenfalls entschied das erfahrene Schiedsrichtergespann Johan Zwanepol und Dirk Rütemann ohne Umschweife auf kampflose Niederlage für X.

Sicherlich war dies die richtige Entscheidung. Und Glück im Unglück für den Spieler, bescherte sie ihm doch eine hübsche spielfreie Zeit bis zum Beginn der Nachmittagsrunde. Denn?


Denn schön ist es in Leer!
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Olaf Steffens

FIDE-Meister seit 1997, seit 2007 Spieler für Werder Bremen in der Zweiten Bundesliga, Oberliga und Landesliga. Größte Erfolge: Landesmeister von Schleswig-Holstein 1994, Erster Deutscher Amateur-Meister 2002, Bremer Pokalsieger 2013! Größte Misserfolge: Werd´ ich hier lieber nicht sagen! Diplom-Handelslehrer, ich unterrichte an einer Bremer Berufsschule Englisch, Buchführung und Wirtschaft. Lest weiter hier: https://veganeschachkatzen.de/ueber-mich/

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3 Comments

  1. Hi Holger,
    immer sind Deine Antworten gerne gesehen!

    zu a) Da frage ich nochmal den Schiedsrichter – vermutlich aber wird es heißen „am Brett“.

    zu b) Kaffee ist eine sehr sensible Währungseinheit, die wir von der Veganen Schachkatzenstiftung nicht so einfach aus der Hand geben möchten. und selber dringend brauchen. Daher auch – dieser wichtige Aufruf!
    https://veganeschachkatzen.de/kaffeetreibstoff-fuer-das-team/

    zu c) Auch da schreibe ich gleich mal an einen Schiedsrichter meines Vertrauens!

    • Du kannst ja den besagten Umrechnungskurs auf Turniere beschränken, bei denen der Veranstalter gratis Kaffee zur Verfügung stellt, und aus diesem Fundus an bedürftige Turnierteilnehmer spenden 🙂

  2. Darf ich auch antworten, obwohl ich zu keiner der drei Kategorien gehöre?

    Zu a) wird hoffentlich in der Ausschreibung geklärt sein, ob rechtzeitiges Erscheinen am Brett (kampflose Null) oder im Turniersaal (keine kampflose Null, sondern nur vergeudete Bedenkzeit) gefordert ist.
    Zu b) lautet der Umrechnungsfaktor: 1 kampfloser Punkt in der A-Gruppe = 1 von den veganen Schachkatzen spendierter Gratiskaffee 🙂
    Die Beantwortung der Frage c) überlasse ich dann doch lieber den Regelfüchsen, Fachanwälten und Rechtsexperten.

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