Play Magnus: Wir retten uns zu Chess.com

So kann das gehen: eben noch ein aufstrebendes Unternehmen, Norwegen, finanzstark, sammelt Geld ein für Schach und geht an die Börse. Auch der Weltmeister Magnus Carlsen ist mit investiert und leiht der AG seinen guten Namen: Play Magnus.

Zwei Jahre später: das Unternehmen ist immer noch aufstrebend, immer noch norwegisch. Finanzstark nicht mehr unbedingt, einiges Geld aus dem Börsengang wurde breit (oder wild?) investiert in Schachprojekte, Verlage, Apps für das digitale Training. Doch nicht ganz klar ist, ob sich das nun alles gelohnt hat. Ausgegeben ist das Geld dennoch, aber wie viel kommt davon als Ertrag zurück? Und wann?

Vor zwei Tagen wurde bekanntgegeben, dass Chess.com ein Angebot für eine Übernahme der Play Magnus Group (PMG) abgegeben hat. Der Vorstand der PMG hat sich recht kurzfristig für eine Annahme des Angebotes ausgesprochen – überraschend schnell sogar, wenn man so will. Es spricht vieles dafür, dass beide Firmen – und all ihre Ableger – in Kürze unter dem selben Dach firmieren werden. –

An der Börse mit hohen Hoffnungen gestartet, stieg der Kurs von Play Magnus 2021 nach anfänglich rund 2,-€ binnen Wochen auf stolze 3,8 €. Wenn das mal nichts ist – hätte man bloß Aktien besessen damals, wäre mitgereist auf 3,80 € und hätte dann verkauft!


Chess.com: Feindliche Übernahme von Play Magnus? Nicht ganz.

Der Höhenflug wollte jedoch nicht halten, seit dem Frühjahr 2021 bröckelt der Kurs. Und bröckelt. Und bröckelt, im Mai 2022 erhielt man für jede Aktie nur noch einen mauen Euro, Tendenz ungewiss, kein Boden in Sicht. Denn woher sollten sich Gewinnhoffnungen für das Unternehmen auch nähren, und wer würde investieren – in Schach?
Die Geschäftsführung von Play Magnus hatte schöne Dinge gemacht mit ihrem Finanzpolster und mit Chess24, Chessable, dem Everyman Verlag und auch New in Chess wiederholt stolze Übernahmen anderer Unternehmen verkündet. Und mit Judit Polgar, Simon Williams und Anish Giri wurde populäre, teils streitbare Großmeister als Botschafter unter Vertrag genommen – a clever move!


Für jeden etwas dabei: das Sortiment der Play Magnus Gruppe (Bild: Play Magnus Group)

So wuchs das schachliche Konglomerat, und hier und da wurde fix noch etwas dazugebaut im Portfolio. Es blieb jedoch so mancherorts der Eindruck, die Geschäftsleitung wüsste mit dem vielen Geld nicht viel mehr anzufangen, als lauter irgendwie schachbezogene Akquisitionen zu tätigen. ROI ganz egal – Hauptsache, man tut überhaupt etwas mit dem vielen Kapital?

Direkt in den Gewinnaussichten des Unternehmens schlug sich diese Strategie indes nicht nieder, oder zumindest nicht auf positive Weise. Was allerdings anstieg, waren die Kosten für Verkaufs-/ Ankaufprovisionen und Gehaltszahlungen. 2021 machte PMG einen stattlichen Verlust.
Familie Carlsen blieb unbeirrt investiert und legte sich eine stattliche Zahl von Aktien in das hauseigene Depot. Das schafft Vertrauen bei schwankenden Anteilseignern, wenn auch nicht bei den großen Investoren – das Absinken des Kurses hielt es letztendlich nicht auf. Und somit könnte auch Weltmeister Carlsen und seine Familie mit dem Projekt Play Magnus bislang schon einiges an Kapital verbrannt haben.

 

***** Wir werben, wir werben *****

B I O

„Ich kaufe nur Biofleisch, Eier, Milch“

Diesen Satz hören wir sehr häufig. Die drei Buchstaben gelten für viele Menschen als ein Symbol für Tierschutz. Ein folgenschwerer Trugschluss mit Folgen für Millionen Tiere. Denn in vielen grausamen Details unterscheidet sich die Biohaltung kaum oder gar nicht von der konventionellen Intensivtierhaltung. Die Betriebe sind in der Regel bei Geflügel mit tausenden Tieren und bei Schweinen mit hunderten Tieren als Massentierhaltungen einzuordnen. Man darf Kühe anketten, Schweine verstümmeln und völlig überzüchtete Turborassen einsetzen. Die Folge ist ein massiver Antibiotikaeinsatz, schwere Verletzungen, Krankheiten und Verhaltensstörungen. Der Hauptunterschied bringt den Tieren denkbar wenig: Sie fressen biologisch erzeugtes Mastfutter.

Massentierhaltung für Bioeier

Besonders auffällig wird die Lüge vom Tierschutz bei der Biohaltung von Legehennen.

Die Geschichte des Bioeis im Supermarkt beginnt mit Massentierhaltung in Käfigen in den Zuchtfarmen der Turbohuhnzüchter. Dort werden die Elterntiere produziert. Diese werden auch in nicht-Bio-Massentierhaltungen auf engstem Raum gehalten, um Bruteier zu legen. Diese Bruteier landen in einer ganz normalen Industrie-Brüterei, in welcher männliche Küken geschreddert oder vergast werden. Davon können auch minimalistische Alibi-Projekte mit sogennaten Zweinutzungshühnern nicht ablenken. Die überlebenden Hennen werden mit ganz normalen Tiertransportern durch die Welt gekarrt und landen in einer ganz normalen Hennenaufzucht, was wieder zehntausende Tiere auf engsten Raum bedeutet.

Weiterlesen bei SOKO Tierschutz

**** Ende der Werbung ***********

 

... Und somit könnte auch Weltmeister Carlsen und seine Familie mit dem Projekt Play Magnus bislang schon einiges an Kapital verbrannt haben.

Daran änderten auch die zahlreichen Schach-Events nichts, die das Management von Play Magnus als Online-Formate wegweisend und couragiert auf den Weg brachte. Die Weltspitze im Netz, über Tage präsent in der Community, und eingängig aufbereitet durch inspirierte Kommentatorenteams für jede Spielstärke. Auch hier aber gilt: richtige Schritte, wichtige Schritte, nur bleibt unklar, wo der Ertrag ist. Kurzfristig offenbar hat es alles mehr Geld gekostet, als durch finanzstarke Werbepartner wieder hereingespielt werden konnte.

Und so sank der Aktienkurs einfach weiter – bis in dieser Woche das Übernahme-Angebot von Chess.com ins Postfach flatterte.

„Chess.com is excited to announce that we have submitted an offer for Play Magnus Group (PMG) to join Chess.com. Magnus Carlsen and the management at Play Magnus are enthusiastic and have accepted the offer. We expect that it will take about 6-8 weeks for this process to finalize. Until that time, Chess.com and Play Magnus will remain independent companies.“   (Chess.com)

Für alle Aktionäre ein kleiner Trost nach einer langen Zeit des Missvergnügens, denn in den letzten Wochen nun arbeitete sich der Wert der Aktie um 30% und mehr in die Höhe. Dennoch mögen sich viele mehr erhofft haben von Play Magnus, und werden den übrigen Teil ihrer Verluste mit dem Unternehmen selber nicht mehr auffangen können. Vielleicht ja mit Chess.com – wenn man es für aussichtsreich ansieht, sein Geld in das Vermarkten eines Brettspiels zu investieren. Und warum auch nicht – schließlich verbraten wir alle ja auch Teile unsere Vermögens für Schachreisen, Startgelder, Schachbücher und Kaffee im Turniersaal. Rechnen wir mal lieber nicht zusammen, wie viel das über die Jahre so ist.

Andererseits – was spricht dafür, dass Chess.com ab jetzt eine profitablere Vermarktung des Schachsports gelingen würde? Immerhin, mit Chess.com und PlayMagnus unter einem Hut bahnt sich eine Art von Monopol auf dem Bezahl-Schachmarkt an. Alle, die sich online stählen wollen und mit prominenten Großmeistern per Video oder im Stream lernen möchten, kommen an Chess.com dann kaum mehr vorbei, und das dürfte zu höheren Preise führen. Bei einem anhaltenden Schachboom (?) wäre das erheblich profitabler für jeden Anbieter.

Wobei, wait! Noch gibt es ja Chessbase Hamburg als Lone Riders – die Hanseaten sind mittlerweise allerdings ein eher kleiner Gegenpol in diesem Markt. Auch bietet Lichess zauberhafte Onlinedienste völlig kostenfrei an, versüßt mit einigen Online-Werkzeugen für die Analyse und das Eröffnungsstudium.

Wie wird die Wette von Chess.com also ausgehen – gibt es Geld zu machen auf vierundsechzig Feldern, und ist Schach ein guter Markt dafür? Zum Bedauern für jeden potentiellen Investor verbirgt sich hinter Chess.com keine Aktiengesellschaft mit frei handelbaren Anteilen, sondern mit der Chess Growthco LLC bzw Chess.com LLC eine Limited Liability Company und damit mehr oder weniger so etwas wie eine GmbH. Sich dort einzukaufen, wird für uns Normalschachliche nicht ohne Weiteres möglich sein.

Interessant wäre es zu wissen, wer genau die Geldgeber der Chess Growthco LLC sind – der Papst, die Milliardäre von St.Louis, oder doch die Chessbase GmbH? Und wo hat die 2005 in Nevada gegründete Firma das ganze Geld her für eine Übernahme von Play Magnus? Einiges dazu findet man bei den Perlen vom Bodensee. Wer Weiteres weiß – bitte melden!


Chess.com und Magnus: Werbung in eigener (Börsen-) Sache

Play Magnus soll übernommen werden (Der Aktionär)

Play Magnus – Webseite

Play Magnus – Investorenseite

Chess.com bei Wikipedia

Chess.com: About us

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Olaf Steffens

Ich bin FIDE-Meister seit 1997 und spiele seit 2007 für Werder Bremen. Größte Erfolge: Landesmeister von Schleswig-Holstein 1994, Erster Deutscher Amateur-Meister 2002. Größte Misserfolge: Werd´ ich hier lieber nicht sagen! Diplom-Handelslehrer, ich unterrichte an einer Bremer Berufsschule Englisch, Buchführung und Wirtschaft. Lest weiter hier: https://veganeschachkatzen.de/ueber-mich/

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