Online – oder lieber echte Bretter?

Die Deutsche Schach-Online Liga DSOL hatte ja vor kurzem eine Woche lang pausiert, es wurden Figuren geputzt, Schachfelder ausgebessert, man konnte durchlüften und die Uhren neu stellen.
Zugleich setzte sich das analoge Schach wieder in Gang. Ja, auch das gibt es noch – tatsächlich fanden am Sonntag landesweite Ligakämpfe statt, nach zwei Monaten geistiger Abstinenz!

Autofahren in fremde Städte, Bahnreisen in benachbarte Bundesländer – man war wieder aktiv an den Brettern, die doch irgendwie die wahre Schachwelt bedeuten (sorry, DSOL…)

Wenngleich, Ligakampf analog, wie ging das noch alles?


Der Schachbund präsentiert: Die Oberliga Nord-West

Mit Werder 3 reisten wir am Sonntag nach Salzgitter, drei Stunden auf der Schiene morgens, 5 Stunden Ringen und Kämpfen in SZ, 3 Stunden wieder zurück, muah! Mein Gegner konnte leider nicht kommen, so dass wir schon sehr früh sehr 1:0 führten – nett. Doch ein kampfloser Punkt, das ist nicht, was man als Spieler möchte, wenn man dafür 3 Stunden durch die Lande mäanderte.
Und – wegen Corona – gibt es zur Zeit ja keinen Kaffee vor Ort? Da lobt man sich doch das Online-Schach, denn Kaffee bekommt man dort im Zweifel gleich in der nächsten Küche.


Kein Gegner da, dafür ein guter Blick auf das Nudelgericht

Die Reisezeiten, der viele Aufwand, spräche das nicht dafür, den Online-Betrieb auszubauen?
Das digitale Spielen erspart Reisezeit, Fahrtenmühe, und vor allem das frühe sonntägliche Aufstehen. Und doch ist es analog viel eindringlicher, denn man kommt herum! So war ich in meinem Leben erst zweimal in Salzgitter, und beide Male wegen … Schach!
Zwar sah ich von der eigentlichen Stadt nicht viel, eher wenig, und beide Male verbrachte ich sechs Stunden in einer etwas nüchternen Schulmensa. Was daran schön sein soll, mag man sich fragen. Ich sage – alles!

Denn passt man nicht auf, digitalisiert und optimiert allzu sehr seine Tage, spielt Schach nur noch online, welche sinnlichen Eindrücken außerhalb der eigenen vier Wände hätten wir dann noch?

Warmes Essen liefern lassen mit Lieferando,
die Lebensmittel bringt der Edeka-Service,
größere Einkäufe im Netz schafft DHL heran,
und die Bankgeschäfte laufen ohnehin online

was bleibt dann noch vom Leben außer Home Office und abends der ARD Mediathek?

Dann schon lieber sonntagmorgens um acht in den Zug gesprungen, Kaffeetasse gut gefüllt, und auf mit netten Schachfreunden ins weit entfernte SZ. Eindrücke, Gerüche, Bahnhöfe, Menschen und ihre Hunde, und abends um achte ist man dann, aufgefüllt mit Leben, wieder zurück in seiner Höhle. Das ist doch fast noch viel besser als online …?


Auf nach Salzgitter! 

Stephan Buchal: Werder 3 gewinnt in Salzgitter

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Verblüffend, dass für zwei der großen Menschheitskrisen – Erderhitzung und die russische Invasion – ein Weniger an gefahrenen Autokilometern zur Lösung beitragen würde. Dieselbenzin ist bereits teurer als Normalbenzin, und beide stehen satt über 2,20€ den Liter.

Sparen wir also Benzin! Es senkt den Ausstoß an CO2, und es wird weniger Geld für Öl nach Russland geschaufelt – win, win!
Worauf also warten wir noch – Bahnfahren für den Frieden, Tempo 100 gegen das Artensterben. Wer ist dabei? –


O‘zapft is 

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Wenn man die Wahl hat zwischen Schach im Netz…


Der Autor beim umkämpften DSOL-Spiel gegen Grün-Weiß Wismar

… und einem Abend mit Schach, aber außer Haus…


Es ist angerichtet

… wohin lenke man dann seine Schritte?

Onlineschach, natürlich, das ist eigentlich prima und allemal viel besser, als monatelang gar nicht spielen zu können – darum ist die DSOL des Deutschen Schachbundes ja auch so eine gute Idee.

Mitunter aber ignoriere man mal die Lagen in den Ligen und mache sich auf – in die Kneipe. Lasse den Laptop Laptop sein und das Internet Internet, hurra.
Die Kneipe (auch: Kneipschenke, oder Schankwirtschaft) – man kennt das ja vielleicht noch von früher. Menschen sitzen zusammen, es spielt Musik, man weiß vorher nie, wem man begegnet – sehr schön, nur ist das alles nach zwei Jahren Corona fast schon etwas ungewohnt geworden.

Atmo, Kaltgetränke, Holzfiguren, nette Menschen und viel Schach. Mal gewinnt man, mal verliert man, jedenfalls: der Abend in der Kneipe, ein großer Spaß! Auch analog kann das Leben ganz schön sein.

Man muss sich nur mal energisch von zu Hause losreißen, dann geht es schon.

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Alle Auszüge aus DSOL: Online in Zeiten der Katastrophe bei www.chessbase.de, 15.März 2022

Olaf Steffens

Ich bin FIDE-Meister seit 1997 und spiele seit 2007 für Werder Bremen. Größte Erfolge: Landesmeister von Schleswig-Holstein 1994, Erster Deutscher Amateur-Meister 2002. Größte Misserfolge: Werd´ ich hier lieber nicht sagen! Diplom-Handelslehrer, ich unterrichte an einer Bremer Berufsschule Englisch, Buchführung und Wirtschaft. Lest weiter hier: https://veganeschachkatzen.de/ueber-mich/

Und sonst so?

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