
Karlsruhe: One Brettl after another
Anders als der wunderbar passionierte Großmeister Matthias Blübaum reise ich in den Osterferien nicht nach Zypern. Das dortige Kandidatenturnier der FIDE ist bekanntermaßen auf 8 Teilnehmer beschränkt und obendrein seit Monaten schon ausgebucht mit globalen Größen wie Nakamura, Caruana, Pragg, Giri und eben – Matthias Blübaum!
Ein hartes Brot – kein Platz auf Zypern für den FM Steffensen, und auch für viele andere Schachfreunde nicht.

Nur geträumt
Wer von Euch ohne Einladung zum Kandidatenturnier ist – fühlt Euch getröstet, Ihr Lieben! Zypern muss ja gar nicht. Denn im schönen Karlsruhe beim großen, beim größeren, beim sogar größten GRENKE Open lockt kurzfristig eine wuchtige Turnieralternative.
Ihr könnt im Lande bleiben, im Ländle gar, und gleichwohl über Ostern auf die Besten der Welt treffen.
Magnus ist da, Vincent ist da, Nordibek auch, sowie 3000 weitere Apologeten der 64 Felder. Da schau her!
In Karlsruhe sitzt niemand allein am Brett, weder beim Freestyle-Turnier mit seinem enormen Preisgeld von über 200.000,- Euro, als auch beim klassischen Schach – wobei der Preisfonds hier ganz unerwartet nur rund ein Drittel des Freestyle-Topfes beträgt.
War das schon immer so? Zeiten ändern sich.
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One Brettl after another: Drohnenflug über 1500 Bretter und 50.000 Figuren
Mein letzter amtlicher Einsatz im Südweschde ist schon einige Jahre her, wenn nicht sogar … Jahrzehnte. Man mag es nicht glauben, vielleicht war es beim Baden-Baden Open 2001? Oder in Baden-Baden 2011, das muss es gewesen sein.
Dieser Süden, er ist einfach zu weit weg, zumindest aus Bremen. Anreisetechnisch wäre es für uns Hanseaten erheblich einfacher, hätte man Karlsruhe damals weiter im Norden gebaut, zum Beispiel anstelle von Hannover.
Doch in diesem Jahr, hurra, da passt es mal mit einer langkilometrigen Reise in den tiefen, den wilden Süden! (Der Rest der Katzenredaktion wird derweil zu Hause auf den Tischen tanzen – kennt man ja.)
Das schönste Land in Deutschlands Gau’n,
das ist mein Badnerland.
Es ist so herrlich anzuschaun
und ruht in Gottes Hand.
Drum grüß ich dich mein Badnerland,
du edle Perl’ im deutschen Land, deutschen Land.
Frisch auf, frisch auf, frisch auf, frisch auf,
frisch auf, frisch auf mein Bremerland Badnerland.
(Aus dem Badnerlied, der inoffiziellen Landeshymne Badens)

Auch im Süden ist es ja ganz schön
Ich freue mich auf die große Schachfamilie unter dem gewaltigen Dach des Kongresszentrums, auf weltweite Großmeister, lokale Tübinger IMs und weit angereiste Norddeutsche.
Freue mich auf den Bücherstand mit Chesstiger Jonny Carlsenstedt, und bin neugierig, wie Turnierdirektor Sven Noppes und sein Team so ein Turnier mit vielen Tausend schachhungriger Menschen bloß immer so reibungslos organisiert bekommen (Chapeau, Chapeau).
Immerhin: allfällige Streitfälle zwischen den Disputanten können sicher gleich vom ortsansässigen Karlsruher Bundesverfassungsgericht entschieden werden. Problem gelöst.
Und nun ja – neun Runden in fünf (Oster-) Tagen, das ist wahrhaftig ein intensives Erlebnis. Es gibt bei diesem Wettbewerb nun wirklich One Battle After Another, und kommt einem Kandidatenturnier auf Zypern sicher schon ganz nahe. (Viel Erfolg dort, Matthias!)
Bange Frage: Hält man das durch, so viel Schach auf einmal? Bange Antwort: Muss ja.
Auch in Ghent hat es ja gut geklappt im letzten Sommer, mit gütiger Hilfe von ganz oben.
Solange die Wege an den 3000 anderen Karlsruher TurnierspielerInnen vorbei zum Kaffeetresen nicht zu weit sind, bin ich hoffnungsvoll.
Doch selbst dann – vernünftig spielen muss man ja auch noch.

Interview mit Matthias Blübaum (Chessbase)



Moin nach Bremen
Mit dem Kaffee währe ich etwas vorsichtig. Die Kaffeetechnik unerfahren, aber sehr netten und hilfsbereiten, studentischen Aushilfskräfte hinter der großen Theke, nehmen zur Zubereitung gerne mal einen gehäuften Esslöffel pro Tasse Filterkaffee.
Die Dimensionen vom Grenke-Open erlebst du, wenn du dir während deiner Partie einen Kaffee holst.
Auf dem Rückweg fragst du dich, saß ich jetzt Tisch 34 Reihe 17, oder Tisch 17 Reihe 34.
Abgelengt durch Nepomnatchi (ist er das?),endlich nach 10 Minuten das richtige Brett erreicht stellst du fest,das du vergessen hast woran du vorher gerechnet hast, ach und meine Zeit, und warum ist der Kaffee lauwarm“?
Die vielen Eindrücke in Karlsruhe sind vielleicht nicht hilfreich für das eigene Schach, aber auf jeden Fall die Reise wert.
Hi Arnd,
da sagst Du was mit dem Kaffee, ein Abenteuer für sich. Wenn man Glück hat, findet man gut wieder zurück im/ins Getümmel, aber die Dimensionen sind gewaltig!
Sie machen das dieses Jahr mit rollenden Fahrrad-Kaffeestationen, feiner Kaffee, etwas aufwendig aber in der Bereitung, so dass man etwas Schlange steht während der Partie. Aber Kaffee muss ja 🙂
Dann kann man ja den Katzen viel Spaß beim Tanz wünschen (kaum sind die Mäuse aus dem Haus…) 🙂
Und ich dachte immer, der wilde, wilde Süden fängt schon in Neumünster an – das fühlt sich gar nicht so weit weg an 🙂
In Neumünster erst? Die Grenze ist meines Wissen der Nordostseekanal, alles weiter südlich ist schon kritisch (ausgenommen Bremen natürlich)