Magnus Carlsen: Dieses Steak (wird kein leichtes sein)

Kurz vor dem Viertelfinale des Baku Weltcups ist Magnus Carlsen immer noch Vegetarier. Kein Fleisch, keine Wurst, kein garnix – und doch steht er seit Jahren auf dem Gipfel der Schachwelt.

Einen Zusammenhang zwischen der fleischlosen Ernährung und seiner monumentalen Spielstärke wollen wir indes nicht herstellen – auch andere (ich zum Beispiel) essen seit Jahren kaum mehr Fleisch, auf dem Weg zur Weltspitze hat uns das nur leider noch gar nicht geholfen.

Warum aber überhaupt Fleisch? Ist natürlich klar, eigentlich, schmeckt super, gibt Energie, ist der Kick oder der Trost zwischendurch an einem langen Tag auf Arbeit oder im Spielsaal zwischen zwei Doppelrunden.

Immer mehr WissenschaftlerInnen warnen vor dem irrwitzig gewordenen Fleischkonsum, für den in Brasilien Regenwälder zum Futterabbau abgeholzt werden, hierzulande Gülle das Grundwasser verdreckt und Methan die Erderhitzung beschleunigt – schönen Dank dafür, liebe Produzenten. Vom moralischen Standpunkt einmal ganz abgesehen, Tierrechten, und dem Elend in der Massentierhaltung.


Das erste Mal in ihrem Leben erleben sie Wind und Sonne
erst auf dem Weg zum Schlachthof: Puten bei Blindheim, 2020

„Die Menschen haben immer schon Fleisch gegessen, doch mit der globalen Fleischindustrie, die in den letzten Jahren entstanden ist, sprengen wir jegliche planetare Grenzen.

Als ich für mein Buch „Fleischkonsum“ recherchiert habe, hat mich eine Erkenntnis schockiert: Weltweit wird so unfassbar viel Fleisch produziert, dass die Biomasse der sogenannten Nutztiere inzwischen 60% der Biomasse aller lebenden Tiere ausmacht, weitere 36% entfallen auf die knapp acht Milliarden Menschen und nur vier Prozent (!,O.S.) auf die restlichen freilebenden Tiere.


Einige Ehemalige aus der Gruppe der 4%: Fasane (ausgestopft) im Naturmuseum Tann

Noch eine frappierende Zahl: Heute werden in Deutschland zwei Millionen Tiere geschlachtet. Jeden Tag. Wir sind also umgeben von einer Tötungsmaschinerie, die unsichtbar ist. […] Die vielen Milliarden Tiere in der Landwirtschaft haben Folgen für das Klima, den Boden, das Grundwasser, die Biodiversität und auch für unsere Gesundheit.“

Interview mit Dr. Tanja Busse, aus: Essen wir bunter! Sonst wird die Welt grau, Demeter Journal, Winter 2021
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(Tanja Busse ist Autorin der Bücher Das Sterben der anderen und Fleischkonsum – 33 Fragen, 33 Antworten. Sehr lesenswert!)

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Zuviel Fleisch. Da ist es doch schön zu hören, dass Magnus Carlsen Vegetarier ist und auch ohne T-Bone Steaks Weltmeister wurde. Läuft bei ihm!

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Dieses Steak (wird kein leichtes sein)

Die Fleischindustrie arbeitet hochproduktiv, ist aber ebenso wie industrielle Landwirtschaft mit daran schuld, dass bedrohlich viele und immer mehr Arten, Vögel, kleine Säuger, Insekten in unserem Umfeld von uns an den Rand der Ausrottung gedrängt werden.
Es soll, es muss günstig sein, das Essen, und das geht nur mit überdüngten Böden, hoch mit Schadstoffen belasteten Gewässer, und immer nochmal einem Schwung Nervengifte auf den Äckern.
Billig ist die Herstellung, doch den wahren Preis lassen wir die Mitwelt zahlen, die mittelfristig zerstört zurückbleibt. Und ab dann essen wir … was?

Katzen können nur Fleisch. Menschen können wählen.

Allein der hiesige Bestand an Rebhühnern ist seit den 1980ern um gut und gerne 90% zurückgegangen – während wir dabeisitzen und am Schachbrett unsere Stulle kauen.
Während wir ganz normal essen, Kaffee nachschenken, Müsli kaufen oder Mortadella – bringen wir die Welt zum Einsturz, wenn unsere Lebensmittel konventionell angebaut wurden.

Acker kaputt, Tiere kaputt. Und am Ende springen wir alle gleich mit über die Klinge, egal ob mit hoher oder weniger hoher ELO. Ist so. Aber muss das wirklich sein?


Willst Du Hummeln, Schmetterlinge und Rebhühner, musst Du Biomarkt (Quelle: Biomarkt.de)

Was bleibt? Kleine Schritte gehen, bis die Politik endlich mal nachzieht und ihre hohen Subventionen umweltgerechter verteilt.

Wenig bis kein Fleisch mehr essen, und wenn doch, dann gerne in biofreundlicher Qualität. Immer mal die ökologische Landwirtschaft unterstützen und im Biomarkt kaufen. Weil es besser ist. Und notwendig.
Zwar schmerzt das, denn es kostet einiges mehr. Doch hilft es allen Tieren und der Natur im Umkreis der Höfe, denn dort wird nicht gespritzt, nicht ausgerottet und nicht überdüngt. Fühlt sich gut an ….


Der Weltmeister mit vegetarischer Spielführung beim ZEIT Simultan 2016. Links von ihm im Gang: der große Ulrich Stock!

ELO-Zahl hin oder her, verantwortlich sind wir am Ende alle für das, was rundherum geschieht, und ob etwas übrigbleibt von … unserer Welt. Ernsthaft, Ihr Lieben – es ist Zeit.

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Und à propos hohe ELO – hier noch eine fulminante und sozusagen weltmeisterliche Partie vom CD Meyer Gedenkturnier in Bremen 2020 (Partiezüge links herunterscrollen):

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Lösung der Aufgabe
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Dieser Artikel erschien zuerst am 19.November 2021, ebenfalls hier bei den Veganen Schachkatzen.

Olaf Steffens

FIDE-Meister seit 1997, seit 2007 Spieler für Werder Bremen in der Zweiten Bundesliga, Oberliga und Landesliga. Größte Erfolge: Landesmeister von Schleswig-Holstein 1994, Erster Deutscher Amateur-Meister 2002, Bremer Pokalsieger 2013! Größte Misserfolge: Werd´ ich hier lieber nicht sagen! Diplom-Handelslehrer, ich unterrichte an einer Bremer Berufsschule Englisch, Buchführung und Wirtschaft. Lest weiter hier: https://veganeschachkatzen.de/ueber-mich/

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4 Comments

  1. Hi Umumba,

    danke für Deine Gedanken hierzu, auch mit der Dauerschwangerschaft. Du hast Recht, wir machen uns das oft einfach, im Umgang mit den Tieren. Bitter. Die Kälber in vier Monaten großzumästen und zu schlachten, das ist in der Tat einer der traurigen Nebeneffekte (Haupteffekte!?) der Milchviehhaltung, wohl auch bei Bio.

    Hamfelder Hof-Milch (aus Schleswig-Holstein, glaube ich) wirbt mit dem Zusammensein von Kalb und Mutterkuh auch nach der Geburt. Das finde ich gut und unterstützenswert, wenn es auch etwas mehr kostet für den halben Liter.
    Dennoch, schön und gut, aber wenn für die männlichen Kälber dann nach vier Monaten schon der Abschied kommt – dann ist das Ganze sehr kritisch, und jede(r) Milchtrinker(in) muss wissen, wie weit sie das für sich mittragen möchte.

  2. Super Artikel! Kleine Faktenkorrektur: Die Prozentzahlen der Biomasse beziehen sich nur auf die Säugetiere. Der Großteil der tierischen Biomasse ist eher jenseits der Säugetiere zu finden (auch da haben Menschen mit den oben gezeigten Puten aber sicher einen hohen Anteil dank der sogenannten Nutztiere), Insekten und Spinnen wiegen anscheinend insgesamt genauso viel wie Menschen und die von ihm gehaltenen (Säuge-)Tiere. Was derzeit durchaus auch für die Biomasse der Mücken und der Menschen in Bremen gelten könnte, zumal die Mücken gefühlt jeden Tag Biomasse des Menschen abzweigen und sich davon ernähren.

    Und noch ein Grund für den Fleischverzicht: Gesundheit! Selbst der eher konservative Verein DGE empfiehlt ja mittlerweile einen Maximalverzehr von 10g (rotem) Fleisch oder Wurst pro Tag.

    Und: Wer aus den (tier-)ethischen Gründen kein Fleisch isst, muss konsequenterweise aus gleichem Grund eigentlich vegan leben, da jeder Liter Milch nun mal auch automatisch Kalbsfleisch mit produziert (Bullenkälber), ganz abgesehen von dem oft sogar unangenehmeren Leben der Milchkühe. Für diese Erkenntnis habe ich auch einige Jahre gebraucht, mich nach mehrfacher Intervention eines guten Freundes aber von den Argumenten überzeugen lassen.

    • Hallo Umumba, Kenner der Szene!

      Das mit den Mücken in Bremen verschiebt die Biomasse gerade ganz eindeutig zugunsten unserer tierischen Freunde – so sei es.
      Danke für Deinen HInweis, und den großen Punkt mit der Gesundheit. Billigstes Fleisch ist ein finsteres Gemisch von Antibiotika und Mastpräparaten, und die Traurigkeit der Tiere nimmt man in der Aura sozusagen auch noch mit auf. Kann niemand wollen.
      Schön auch der Aspekt mit Fleisch vs Milchprodukte … konsequent wäre es, nichts von alledem mehr zu konsumieren? (Machen einige ja auch schon beeindruckend konsequent, wenn es beim Monatsblitz Schokoküsse gibt)
      Eine andere Sicht könnte sein, allein Biomilch und Biokäse zu verzehren. Zumindest ging es den Tieren in dieser Welt vielleicht dann noch einigermaßen gut – wenngleich auch das nicht immer sicher ist (–> SOKO Tierschutz Berichte auch über Bio-Höfe). Auch Kälber, die auf Bio-Höfen aufgezogen werden und später geschlachtet werden – kann man vielleicht noch eher vertreten? Unter CO2-Fußabdruck und Methan-Produktions-Aspekten aber natürlich gar nicht.

      • Ein Freund von mir konnte in der Politik gelegentlich Bio-Höfe im Bremer Blockland besichtigen. Auch dort gibt es eine recht schnelle Trennung der Kälber von der Mutter mit einer Haltung der Kälber in Boxen, auch dort werden die Kühe viel weniger alt, auch dort werden sie durch jährliche Schwangerschaften ausgezehrt. Sie haben es mit Sicherheit besser als die Kühe in der sog. konventionellen Haltung (und es ist vor allem gesünder für den Menschen), aber ein wirklich tiergerechtes Leben ist auch das nicht.

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  • Olaf Steffens on Wie es beim Schloß-Open war?: “Mit der D-Gruppe? Dazu ist alles schon gesagt – schaue bitte hier in den Kommentaren: https://www.chess-international.com/?p=86783 Alles regulär, und alles…Apr 10, 17:51
  • kiebitzer on Wie es beim Schloß-Open war?: “und was war es mit dem D grouppe?Na…………………………………?Apr 10, 17:20
  • Olaf on Frohe Ostern!: “Hi Holger, immer wie Botwinnik eine schöne Thermoskanne mitnehmen 🙂 Oder in der Kaffeeschlange weiter Varianten rechnen? Ich wäre aber…Apr 8, 08:30

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