
Heiß, heiß, Baby, dududu, dudududu
Sweat, baby, sweat
(Bloodhound Gang)
Ganz und gar wetterfest präsentierten sich die Bremer Schachsenioren am vergangenen Hitze-Wochenende. Trotz heißester Raumtemperaturen von wohl über 30 Grad absolvierten 22 ehemalige Jugendspieler ganz unbeeindruckt ihre ultrahocherhitzten Schnellschach-Partien im Rahmen der Bremer Meisterschaft Ü50 und Ü65.
Nicht jeder jedoch konnte mitspielen, au contraire! Alle Teilnehmer hatten erst nach einer aufwendigen und mindestens fünfzigjährigen Qualifikationsphase die Spielberechtigung für dieses besondere Turnier erhalten. Ordnung muss sein. Wir wollen ehrlich sein – wer jünger ist als 50 Jahre, ist eben einfach noch nicht so weit.
Und das Wetter? Das Wetter, es war sogar für Bremer Verhältnisse recht sommerlich. Sonne draußen, Heißluft drinnen, Klimakatastrophe in ganz Deutschland und Europa. Was tut unsere Regierung dagegen – wenn überhaupt?
Immerhin, es werden Gaskraftwerke hochgezogen. Und ein Tempolimit auf unseren Autobahnen demokratisch verhindert. Mehr geht eben nicht, denn die Klimakatastrophe mit all ihren Hitzewellen, Dürren, Feuern, Überschwemmungen und Hurricanes wird uns alle ja schon nicht so heftig treffen.
Sichi, Alder.

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Es ist Juni.- Der Sommer ist gerade mal eine Woche alt. Schulen, Krankenhäuser, Altenheime und Städte sind der Hitze fast schutzlos ausgeliefert. Straßenbahnen stehen still, weil schmelzender Asphalt die Schienen verklebt. Autobahnen stehen still, weil Straßen aufbrechen.
Derweil eine Regierung, die lieber Millarden Euro für Tankrabatte statt Hitzeschutz-Maßnahmen ausgibt, und ein Kanzler, der Klimaschutz in der Politik für überbewertet hält.
Ingwar Peranowitsch (https://www.instagram.com/ingwar.perowanowitsch)
Im Laufe des Turniertages entpuppte sich der hübsche Spielsaal als veritabler hanseatischer Hochtemperatur-Reaktor, wetterfühlig durfte man da nicht sein. Ob die Heizung noch angestellt war? Nein, es ist nur der Klimawandel, der uns alle, Senioren oder nicht, nun ganz untrüglich – heimsucht.
Schon am Vortag beim Aufbau wurde ordentlich gehechelt, als das engagierte BSG-Team Figuren und Bretter in Position brachte. Und das setzte sich fort – Hitzewelle überall, die heißesten Tage in Deutschland seit Beginn der Aufzeichnungen. Und Schach in der Sauna in Bremen-Horn.
Egal, wie sehr sich Turnierleiter Kurt Borbely von der Bremer SG auch mühte – Fenster auf, so weit es nur geht, Wasser für alle zu sehr günstigen Preisen, dazu noch Kuchen, und zum Kuchen auch Kaffee – am Ende hatten alle einen dicken Kopf und waren vom vielen Denken und Figurenbewegen ganz verschwitzt.
Gut nur, dass man Hydration Breaks/ Trinkpausen machen konnte wie bei der Fußball-WM in Amerika. Alle zehn Züge einen Kaffee!

Hundstage
So machte gegen Turnierende das schöne Wort „hitzedoof“ die Runde. Man ahnt es wohl – hitzedoof ist man, wenn der Kopf nicht mehr dachte, was die Figuren wollten, und Einsteller sich an Einsteller reihten. Bitter, doch was soll man tun?
Die hohen Temperaturen machen am Ende jeden mürbe, verlangsamen die Übersicht, man fällt in einen Tunnel. Starke Schachzüge? Ja, aber es ist schwer, das eine ganze Partie lang zu schaffen.

Steffens – Formenkov: Man schlägt sich so durch (Foto: Oliver Höpfner)
Auch bei mir gewann einige Male die Hitzedoofheit ganz elegant die Oberhand, und die Aussichten auf einen Punktgewinn schmolzen jeweils dahin wie ein Eiswürfel bei apokalyptischen 41,7 Grad im brandenburgischen Coschen. Man sehe:

Slavko Krneta – Steffensen: Hier überlegte ich einige Minuten und entschied mich dann für 1…Sxd3. Vielleicht eine vernünftige Idee, doch meine Hand
führte stattdessen das ungünstigere 1…. b5-b4 aus. Was war hier denn los?

Peter Jürgens – Steffensen: ich hatte gerade mit 1… Lc6 die gewiefte Drohung Lc6-a4 aufgestellt. Peter antwortete mit 2.Lb1-a2, was zunächst eigenartig aussah, jedoch ganz konkret den Springer f7 bedroht.
Was also tun?
Längere Zeit gefiel mit 2…Sf7-d8 mit allgemeinem Umbau am Besten. Dann entschloss ich mich schnell zu dem hitzigeren 2… Txa2 und 3….Lxe4. Was sprach gegen 2….Sd8? (Lösung am Ende!)

Stevens – Gerhard Lunkmoss: Ich habe das Läuferpaar, aber einige weiche Felder. Kurz zuvor hatte ich f2-f3 gespielt, um die Mitte zu stärken … Und nun? Mein Zug 1.f3-f4 mutet zwar dynamisch an, doch erzeugt es nichts als heiße Luft. Die einfache Antwort 1… Sf6-g4! bringt meine Stellung sofort an den Abgrund. Ich hatte den Springerzug vorher auch gesehen – dann aber wieder ganz plump vergessen. Die Hitze?
Alles keine Glanzlichter, und keineswegs heiße Kandidaten auf den Zug des Monats. Und doch, am Ende konnte ich ein paar schlimm verlorene Partien noch – warum auch immer – in der Zeitnotphase drehen und gewinnen, und so den Meistertitel der Ü50er einheimsen. Schau, schau!
Den Nestorenpreis für Spieler über 75 Jahre sicherte sich Slavko Krneta von der F.G. Wohlde 1976, der wie immer pfeilschnell und schlagkräftig zahlreiche Stellungen aus den Angeln hob (auch meine).
Bester Spieler des Turniers indes und zugleich erfolgreichster Ü65er-Heißsporn war der spielgewaltige Dr. Wolfgang Schröter aus Minden, der am Morgen die Weser hinab bis nach Bremen gereist war und alsgleich die Horner Hitzeschlacht mit 6 von 7 Punkten für sich entschied. Hochverdient. Wir gratulieren!

Krneta – Schröter: Hier glüht bereits das Brett (Foto: Oliver Höpfner)
Insgesamt also ein wunderbarer Tag beim Schach, und Dank gebührt der BSG für das Ausrichten dieser wetterfesten Veranstaltung. Wir kommen wieder! Und die heißen Tage sicher auch.
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Heiß, heiß, Baby! – Die norddeutsche Version
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Die Einzelergebnisse des Turniers reichen wir in Kürze nach (zur Zeit noch nicht online).
Seid Ihr genervt von der Hitze, in Sorge um unser Klima?
Unterzeichnet die Petition von Fridays for Future: https://weact.campact.de/petitions/hitzealarm-reiche-entlassen
Und noch ein Ü65er-Heißsporn: 33 Fragen an André Schulz (Chessbase)
Auflösung der Aufgabe: Nach 1…Sf7-d8 setzt Weiß mit 2.Db3-g8! einzügig Matt… und fast hätte ich es übersehen.



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