Die Hörstmänner: Zu groß für diese Liga

Man kann ja von Hannover Lister Turm sagen, was man will – und natürlich nur Gutes. Hat doch der Bundesligist aus der tiefsten niedersächsischen Tiefebene eine fürwahr formidable Saison hingelegt in der höchsten deutschen Spielklasse!

Und ebenso kann man sagen, joaah, aber sie sind doch abgestiegen! Nur einen Punkt! Nix gewonnen! Allein, dies sind nur profane weltliche Werte, und deutlich zu kurz gedachte Ansätze.
Zugegeben, frischgebackene Absteiger sind sie, die Hannoveraner, doch machten sie ihrem Verein Ehre, sich und ihrer Region Freude und mehrten sicherlich das Ansehen ihres Landesverbandes!

So erwuchsen der Vereinswebseite zu allen Ligawochenenden ausgiebig und kurzweilig Reiseberichte. Basisdemokratisch musste jeder Spieler mal ran und einige Zeilen komponieren – eine coole Idee.


Punkt für Lister Turm: Der Winter ist gekommen (für Haus MSA Zugzwang)

Die Mannschaft des HSK Lister Turm selbst ist bunt gemischt und tief aus eigenen, regionalen Anbau Reihen und langjährigen Sympathisanten rekrutiert.
Aufgestiegen erst im Vorjahr und gruppiert rund um den gewaltigen IM Ilja Schneider und weitere gestandene IMs, traten alle Hannoveraner an die Bretter, um hier und da mal mutig mitzumischen in Liga 1.

Wenn es mitunter auch nur für ein Wochenende war – jeder war mal dabei! Was für eine schöne Idee, den grandiosen Aufstieg in die Bundesliga auf diese Weise mit dem gesamten Verein zu feiern und zu teilen. Gut gemacht!

Und so bleiben – mir zumindest – nicht nur von meinem Club SV Werder Bremen, sondern auch durch diese eine Lister Turmer Saison 2023/2024 viele feine Bundesliga-Eindrücke in Erinnerung. Mehr als ich von vielen anderen und leider mitunter eher blassen Équipen der obersten Liga erinnern würde.
In Niedersachsen kann man (huch!) Emotion! –

Eine kleine Geschichte am Rande. Schon in den Pionierjahren des überregionalen Spielbetriebs hatte sich Hannover-Stadthagen in die Bundesliga aufschwingen können. Lange, lange her, von 1992 bis 1994, doch auch schon damals wurde Schach gespielt.

Und niemand wird an der Leine je vergessen, dass Anatoly Karpov hier einstmals für Hannover spielte. Welcher Verein kann das schon von sich behaupten?


Die Hannover All Stars – wer kennt diese Spieler?

Neben Karpov hatten sich damals mit Martin und Rudi Hörstmann zwei junge Schachfachkräfte in die Stadthagener Erste gespielt. Die beiden Brüder machten im Anschluss eine kurze, etwas dreißigjährige bundesligistische Schaffenspause – nur um dann voller Elan am letzten Wochenende wieder das Oberhaus zu rocken. Und wo? In Hannover, natürlich! Beide sehen sich dabei so ähnlich, dass sie manchmal selber nicht ganz genau wissen, ob sie sie selber sind, oder doch ihr Bruder. Und das macht sie so unberechenbar.

Zwar bot der SC Heimbach-Weis-Neuwied mit IM Lukas Winterberg und IM Sven Tica zwei honorige 2400er-Titelträger auf – allerdings war das absehbar vergebens, denn die Hörstmänner sind einfach zu groß für diese Liga.

Rudi und Martin jedenfalls arbeiteten ihre favorisierten Gegner nachdrücklich vom Brett, auch, weil diese möglicherweise zu energisch ihre Partien für sich entscheiden wollten. Das kommt vor. So ist Sport.

Die zwei satten brüderlich-hörstmännischen Punkte führten gegen die Koblenzer Heimbacher Weiser Neuwieder beinahe zum zweiten Lister Mannschaftspunkt. Am Ende aber doch nicht.

Mit den beiden sympathischen Brüdern Rudi und Martin wird weiterhin zu rechnen sein, in Hannover und beim nächsten Kandidatenturnier in zwei Jahren. Wir bleiben dran!


Rudi (ganz rechts) und Martin (dritter von rechts) – oder ist es umgekehrt? Beide hier im Kreise von Lister Turm 2 in der Zweiten Liga Nord (Foto: Vereins-Webseite)


Rudi Hörstmann – Sven Tica: Weiß nagt trickreich mit 1.e3-e4 das Zentrum an. Wie aber soll das weitergehen, 
wenn Schwarz mit 1….fxe4 2. fxe4, Sd6xe4  erstmal den Bauern e4 kassiert? (Zur Lösung hier entlang, Diagramm: Lichess)

.

Bundesligafinale in Hannover: Doppelschlag der Brüder

Der HSK Lister Turm: Alle Erstliga-Ergebnisse

Is Ben Finegold a vegan? (Yes, he is!)

Sobald Sie auf das Vorschaubild klicken, verlassen Sie unsere Seite und werden auf www.youtube-nocookie.com weitergeleitet.
Trotz datenschutzfreundlicher Einbindung kann es sein, dass YouTube Cookies verwendet. Bitte beachten Sie dafür die Datenschutzerklärung von YouTube  bzw. Google.

Olaf Steffens

FIDE-Meister seit 1997, seit 2007 Spieler für Werder Bremen in der Zweiten Bundesliga, Oberliga und Landesliga. Größte Erfolge: Landesmeister von Schleswig-Holstein 1994, Erster Deutscher Amateur-Meister 2002, Bremer Pokalsieger 2013! Größte Misserfolge: Werd´ ich hier lieber nicht sagen! Diplom-Handelslehrer, ich unterrichte an einer Bremer Berufsschule Englisch, Buchführung und Wirtschaft. Lest weiter hier: https://veganeschachkatzen.de/ueber-mich/

Und sonst so?

Gukesh zieht es durch

Gukesh zieht es durch

Guckt mal – Man of the Match!

Guckt mal – Man of the Match!

Frohe Ostern!

Frohe Ostern!

Wie es beim Schloß-Open war?

Wie es beim Schloß-Open war?

3 Comments

  1. Nach dem opulenten wie unverdienten Bundesliga-Festmahl (2-0) steht für die Zwillinge in der kommenden Saison wieder das harte Oberligabrot an (Zwischenstand hier: Schachzwillinge – vegane Schachkatzen 0-2)

  2. Wie man sieht, ist der Steffens-Läufer auf b2 eine Macht – selbst wenn der b-Bauer nur ein Feld vorgezogen wurde 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

RSS RSS – Schleiche uns nach

Vegane Insta-Katzen

Danke an Supporter in schwedischen Wäldern für den Kaffee!

Was sagen die Leute?

Alle 11 Züge verliebt sich ein Schachspieler (Foto:Artemese G)