Das MiBu-Festival: Was ich lieber nicht erzähle, erzähle ich lieber nicht

Michael Buscher, spielstarker Schachfreund und ein treuer Leser dieses Blogs, hat mitgemacht bei einem der vielen wundersamen Tippspiele auf schach-welt.de. Dort wusste er wie immer zu brillieren, und gewann unter anderem – Schokolade? Bundesligatickets? Nein, viel besser – ein Interview hier bei den Veganen Schachkatzen!


Wir sagen Willkommen, MiBu!

Michael ist ein FIDE- und gefühlt sogar ein Internationaler Meister. Wie wir uns selber schon überzeugen konnten, kennt er zahlreiche starke Züge!

Wir freuen uns, dass er unsere nickligen Interview-Fragen in seinem Herzen bewegt hat. Nachdem er kürzlich eine seiner in Adolph-Anderssen-Stil gespielte Partien für uns kommentierte, wird er uns heute im Teil 2 unseres MiBu-Festivals mehr von sich erzählen.


Interview!

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Hi Michael, vielen Dank für das Interview hier mit unserem Blog. Was möchtest Du uns über Dein Leben und Dein Dasein erzählen? Und was lieber nicht?

Ich bin inzwischen 55 Jahre alt, verheiratet und habe einen Sohn von noch nicht ganz 18 Jahren. Zu unserem Haushalt in Pulheim – das liegt wenige Kilometer nordwestlich von Köln – gehören außerdem eine Hundedame namens Lucy und einige Zierfische im Aquarium.

Meinen Arbeitstag verbringe ich in Düsseldorf als Leiter der Schadenabteilung (was toller klingt als es ist, die Abteilung ist nicht besonders groß…) eines Versicherungsmaklers. Dadurch ist auch die Verbindung zum Düsseldorfer SK entstanden, dessen erste Mannschaft kürzlich aus dem Oberhaus abgestiegen ist, ich bin dort für DSK II gemeldet, spiele aber vorwiegend für Zuid-Limburg in der „Meesterklasse“, der höchsten Liga in den Niederlanden.


Düsseldorf vereint Natur und Moderne

Abgesehen von Beruf, Familie und Schach wende ich noch Zeit fürs Skatspielen (1.SC Stommeln) und Bücherlesen auf, passives Fernsehen weniger.

Was ich lieber nicht erzähle, erzähle ich lieber nicht – das wäre ja sonst ein Selbstwiderspruch oder (damit ich nebenbei etwas Latein absondern kann, das wirkt immer so gebildet) „venire contra factum proprium“.

Wie bist Du zum Schach gekommen?

Von meinem Opa habe ich die Regeln gelernt, aber der echte Impuls kam von meinem Grundschullehrer: Ich hatte vorher eine Lehrerin, aber die wurde in der zweiten Klasse durch Schachfreund Wolfgang Weiler ersetzt. Der fragte natürlich dann mal rum, wer sich für Schach interessiere. Es bildete sich eine Schach-AG und es stellte sich heraus, dass ich zumindest eine gewisse Begabung für das Spiel hatte.

Zweiter Zufall war, dass es in meinem damaligen Wohnort Hürth-Efferen einen Verein gab in Zu-Fuß-Entfernung, und dem trat ich 1977 bei. Der Verein besteht schon lange nicht mehr; ich weiß nicht, ob ich beim Schach geblieben wäre, wenn es den Verein damals nicht gegeben hätte.

Erzähle uns aus Deinem (Schach-) Leben.

Nun ja, was gibt es da noch zu erzählen? Eine gewisse Bekanntheit auch außerhalb der Schachszene habe ich vielleicht durch die Teilnahme an „Der klügste Deutsche“ 2011 (Platz 2 nach Telefonvoting) und/oder „Quizchampion“ im Herbst 2017 (siegreich) erreicht.

Wer ist – diese beliebte Frage können wir uns nicht verkneifen – Dein schachliches Vorbild?

Zu meinen ersten Schachbüchern gehörten „Mein System“ und „Die Praxis meines Systems“, daher ist Nimzowitsch eine Art Vorbild.

Zweifelst Du manchmal daran, ob das Schachspielen eigentlich Sinn macht im Leben?

Nach schlechten Partien mit groben Übersehern oder offensichtlichen Rechenfehlern frage ich mich schon gelegentlich, ob ich noch mal antreten soll, aber das Ergebnis ist immer gleich: Das nächste Mal kann besser werden und muss besser werden!


Es gibt Tage, da machen die Figuren einfach, was sie wollen

Was ist das Geheimnis Deines erfolgreichen Blitzspiels?

Da ich recht jung zum Schach kam, kann ich einfache Einsteller und Zweizüger meist vermeiden, damit kommt man schon recht weit.

Was machst Du sonst so im Leben, außer, nun ja, Schach?

Die Frage wurde schon beantwortet.

Hältst Du Bullet-Schach für moralisch einwandfrei?

1+0 ist einfach nur Schwachsinn, das spiele ich nicht. „Premove“ ist ohnehin Kokolores – am Brett kann ich auch nicht ziehen, wenn ich nicht dran bin.

Goethe geht online in der römischen Campagna, Bild von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, 1787, im Original Städel Museum, Frankfurt, hier etwas überarbeitet

Wenn man Dich zum Alleinherrscher wählen würde, welche drei Dinge würdest Du in der Schachwelt ändern?

Die auf DSB-Ebene erforderliche Spielervereinbarung gehört (in der vorliegenden) abgeschafft, und die Übernahme der Dopingregeln inkl. Proben bei Meisterschaften ist ein Unding aus Zeiten von Herrn Bastian als Präsidenten. Drittens wären ein paar Personen in leitenden Positionen auszutauschen, aber die Namen behalte ich mal für mich.

Was war Dein größter schachlicher Erfolg? Gab es ein besonders tolles Turnier, eine großartige Partie, oder so?

Wenn man es rein pekuniär betrachtet, war das der geteilte 1. – 6. Platz beim Porzer Winteropen 1987/1988, das waren knappe 1.500 DM nach „Hort-System“. (Jaja, ich hatte die schlechteste Wertung der Spieler mit 7,5/9). Schachlich waren es eher die zwei oder drei Top-Ten-Platzierungen bei Deutschen Meisterschaften im Blitz- oder Schnellschach in den Neunzigern.

Was möchtest Du im Schach noch erreichen?

Ich finde die Zielsetzung schwierig, weil sie mit nachlassender Spielstärke schwer unter einen Hut zu bringen ist. Ich denke, am ehesten könnte ich versuchen, bei der Senioren-Meisterschaft (deutsch oder Welt) in der Altersgruppe 65+ vorne mitzumischen. Nur noch zehn Jahre, und dann bin ich a) in Rente und b) spielberechtigt.


Die deutsche 65+- Nationalelf bei der WM 2018 in Radebeul (Brett 1-3, v.l.n.r.: Vlasti Hort, Bodo Schmidt, Stephan Buchal)

Wie kann man Dich am besten besiegen?

Das werde ich doch nicht jedem auf die Nase binden. Aber eigentlich liegt es auf der Hand: Geht mit dem Alter das strategische Verständnis zurück oder das taktische Sehvermögen?!

Du bist seit langem ein renommierter Internationaler Meister (ein sehr schöner Titel!). Wie hast Du das gemacht – gab es einen speziellen Trainingsplan?

Die Frage muss ich auslassen, da ich nicht IM bin, sondern „nur“ FM. Ich habe eine Norm erfüllt und mal 2400 gehabt, bräuchte also noch zwei Normen.

Trainieren tue ich faktisch nicht.

Ja, Du hast Recht, da habe ich, was den Titel angeht, etwas durcheinandergebracht – ich denke allerdings schon seit Jahren, dass Du ein IM bist! – Was hast Du für Ziele im Schach – zieht es Dich jetzt noch zum IM-Titel hin? Oder anders gefragt: wie und wie viel trainierst Du für Schach?

Auch diese Frage ist im Grunde schon beantwortet.

HSV oder Werder?

Och nö, stinkt doch beides nach Fisch.

Dortmund, Bayern oder Köln?

Das ist leicht: Eff-Zeh!


Zwei Effzeh-Maskottchen in Aktion: Steffen Baumgart und sein Hund
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Wen würdest Du als Sekundant beim nächsten WM-Kampf lieber unterstützen – Ding Liren oder Jan Nepomniachtchi?

Auch da muss ich passen. Die Herren sind mir nicht näher bekannt und offen gesagt ist mir relativ egal, wer von den beiden Weltmeister-Vertreter des Norwegers wird.

Was war der schönste Ort für Dich bisher, an dem Du ein Schachturnier gespielt hast?

Wenn sich „Ort“ auf die Umgebung bezieht, dann war es Porto Carras/Griechenland. Als Austragungsort im engeren Sinne fand ich auch interessant den Barenturm des SV Osnabrück und die Citykirche in Aachen, wo mal die Deutsche Blitz-MM stattfand.


Ein Outfit, das so manchen erfreute: Werder Bremen bei der DM 2012 in der
Aachener Citykirche (v.l.n.r.: Gerlef Meins, Peter Lichman, Stephan Buchal, Semjon Bart)
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Was ist das Geheimnis Deines Vereins, dem Düsseldorfer SV? Sprich auch gerne ein paar Grüße und lobende Worte.

Der DSK (nicht DSV, den gibt es auch) hat mit GM Berelovitch einen ausgezeichneten Trainer und genügend Leute, die sich engagieren – das ist keine One-Man-Show des Vorsitzenden Jan Werner.

Warum ist die Orang-Utan-Eröffnung 1.b2-b4 so furchtbar gefährlich?

Klar, wer das spielt, wird gerne unterschätzt. Und wenn man nicht aufpasst, wird man auf g7 mattgesetzt.

Die Schach-Bundesliga fragt sich mitunter, was man tun könnte, um die Attraktivität der Liga zu verbessern. Siehst Du dort Handlungsbedarf? Und was würdest Du der Schach-Bundesliga empfehlen?

Das kann ich schwer beurteilen, dazu nur ein Beispiel: Es gibt die Live-Übertragung, von der ich nicht weiß, wie viele Leute die verfolgen – sind das 5.000, 10.000 oder 100.000? Hält das manche davon ab, die Partien vor Ort zu verfolgen?
Bei einer Sache bin ich mir sicher, dass es Handlungsbedarf gibt, aber es handelt sich genauer formuliert um eine Person, deren Namen wie zuvor erwähnt ungenannt bleiben soll.


Rasmus Svane, Ömer Toprak und Alexei Shirov
bei der Bundesliga-Endrunde in Bremen 2022
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Welche Art von Essen macht Dich glücklich?

Da bin ich flexibel, muss aber direkt einräumen, dass ich omnivor esse.

Welche Musik hörst Du gerne?

Das hat eine ziemliche Bandbreite: In der Abteilung Hard’n’Heavy finden wir die üblichen Verdächtigen wie Black Sabbath, Judas Priest, Metallica, The Who, Deep Purple, Led Zeppelin usw. oder auch Punkkbands (Ramones, Dead Kennedys, Green Day). Weniger bekannt aus der harten Abteilung sind vielleicht UFO, Ted Nugent, Pearl Jam oder auch Therapy..? (Das Fragezeichen ist kein Schreibfehler, sondern gehört zum Bandnamen.)
Bei den etwas gemäßigteren Tönen wären z.B. die Doors zu nennen, Pink Floyd, Creedence Clearwater Revival und natürlich Queen. Ist also alles ziemlich „old school“, und Konzerte kann man da in der Regel nur von Tribute-Bands besuchen, sind doch viele der Protagonisten schon verstorben oder die Stimme ist kaputt wie bei Rob Halford. Auf der ruhigen Seite finden sich z.B. Leonard Cohen und Suzanne Vega.
Mit Klassik und Jazz kann ich nichts anfangen, und die Mitklatsch-Schlager nerven massiv. Und die Discowelle meiner Gymnasialzeit war einfach furchtbar…

Fällt mir dabei ein: Die Neue Deutsche Welle produzierte viel Mist, aber bei „Ideal“ fühle ich immer noch auf einer Zeitreise in die Jugend.

Wohin fährst Du im Sommer gerne in den Urlaub, und warum?

Meer, nicht Berge. Meine Frau geht tauchen und das lässt sich an der Küste naheliegenderweise leichter realisieren. Zuletzt waren wir in Griechenland; das nächste Ziel ist planmäßig Madeira.

Sieben Runden Open an vier Tagen oder lieber neun Runden Open an neun Tagen?

Doppelrunden sind furchtbar, spiele ich nie mehr!


Doppelrunde, immer wieder Doppelrunde
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Gibt es Dinge im Schach, die Dir für das „normale Leben“ nützlich sind?

Die Leute glauben, Schachspieler wären intelligent, und bringen einem Respekt entgegen. Ich widerspreche dann vorsorglich nicht.

Welchen Rat gibst Du der aufstrebenden Schachjugend?

Analysiert mal ohne Engine und vergleicht erst danach Eure Ergebnisse mit denen der Engine.

Dein Beitrag zum Verhindern der Klimakatastrophe und des massiven Artensterbens?

So leid es mir tut: Keiner. Es handelt sich um globale Probleme, die nur durch Reduzierung des Bevölkerungswachstums auf Null oder darunter zu bekämpfen wären, und das ist nicht in Sicht. Um die 80 Millionen Menschen Zuwachs pro Jahr benötigen zusätzliche Ressourcen, die nicht vorhanden sind.

Welches Youtube-Musikvideo sollen wir für Dich in dieses Interview einbauen?

Eine Heavy-Metalband mit einem herausragenden Sänger und einem alten Stück:
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Ich mag immer gerne die schöne Interview-Frage „Welche Frage würdest Du gerne einmal gestellt bekommen, und was würdest Du darauf antworten?“. Darum nun für Dich, lieber Michael, wir sind ja
hier unter uns: Welche Frage würdest Du gerne einmal gestellt bekommen, und was würdest Du darauf antworten?

Günter Jauch zu mir: „Wie viele Joker möchten Sie haben?“ Ich: „Nur drei.“

Wenn Du für ein fragwürdiges Interview ein Statement zu Katzen abgeben müsstest – was würdest Du sagen?

Unser Hund und die Katze von nebenan sind die besten Freunde. Offenbar sind Tiere in mancher Hinsicht schlauer als die Menschen es je sein werden.

Welche Partie von Dir sollten wir alle gern einmal sehen?

Die gegen Bernd Daverkausen.

Lieber MiBu, vielen Dank!

Michael Buscher – mit Steffen Baumgart-Mütze. Nur ein Zufall?

Olaf Steffens

Ich bin FIDE-Meister seit 1997 und spiele seit 2007 für Werder Bremen. Größte Erfolge: Landesmeister von Schleswig-Holstein 1994, Erster Deutscher Amateur-Meister 2002. Größte Misserfolge: Werd´ ich hier lieber nicht sagen! Diplom-Handelslehrer, ich unterrichte an einer Bremer Berufsschule Englisch, Buchführung und Wirtschaft. Lest weiter hier: https://veganeschachkatzen.de/ueber-mich/

Und sonst so?

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