Auf die Socken bei der DSAM

Ich bin ein wahnsinniger Schachspieler:
Schon beim ersten Stein habe ich die Königin verloren,
und doch spiel ich noch und spiele – um die Königin.
Soll ich weiterspielen?

Heinrich Heine, Brief an seinen Freund Christian Sethe, 1830

Die Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft (DSAM) 2023, Vorrunde in Düsseldorf. Das Hilton-Hotel hatte gerüstet für 600 SpielerInnen, so viele wie wohl nie zuvor bei diesem deutschlandweiten Turnier. „Ein Festtag des Schachs“, so meinte auch Chesstiger Sven Noppes bei seinen Grüßen zur Eröffnungsansprache. Großes Schach-Kino!

Wie immer werden bei der DSAM in mehreren Spielstärke-Kategorien die Meister und Meisterinnen ihres Fachs ermittelt. Es gibt sieben Qualifikationsturniere, sieben Ratinggruppen, und je sieben SpielerInnen schaffen es jeweils zum großen Finale im nächsten Sommer – und dort wartet alsdann der Deutsche Amateurmeistertitel!


Eröffnung des Turniers: (v.l.n.r.) Ingrid Schulz (Orga-Team), daneben ein Repräsentant von Chessence (Sponsor), Chief-Schiri Jürgen Kohlstädt, GM Sebastian Siebrecht, Gregor Johann (Orga Team). In den Reihen davor lauert schon die A-Gruppe.

Auf diese Weise kann zum Beispiel auch der Spieler Tiger-Oli aus Bremen mit einer DWZ von 1478 Deutscher Meister werden – aber eben nur in seiner Ratinggruppe E (DWZ 1401 – 1600).

Das mag kurios anmuten, ist es doch in etwa so, als gäbe es beim Hochsprung eine Extra-Kategorie von Medaillen für alle SpringerInnen, die nicht höher als 1,50 Meter springen (Ratinggruppe E). Oder vielleicht schon einmal 1,80 Meter schafften (Ratinggruppe C). Den deutschen Meistertitel für nicht ganz so exzellente Hochspringer!? Bei der DSAM zumindest gibt es so etwas.

Und mag das auch widersinnig wirken, stolz auf so einen Deutschen Meistertitel ist man dann ja doch, und dies zu Recht!
Es ist ein weiter Weg, in einer Vorrundengruppe gegen gleichstarke Gegner die vorderen Plätze zu erreichen, und dann! auch noch in der Endrunde so lange alle umzuhauen, bis man ganz oben in der Tabelle steht. Da hat man sich den schönen Titel allerdings ehrenvoll verdient!


Der beliebte Blick in den Turniersaal

Bei der DSAM können sich sehr sehr viele Sportler auf den Vor-und Endrundenturnieren austoben – allerlei Turnierschach an nur drei Tagen, das ist fabelhaft! Die DSAM kennt man dabei bereits als angenehm durchgetakteten und enorm fluid organisierten Wettbewerb.
Kein Wunder, könnte man aber meinen, denn die Verantwortlichen kennen die Abläufe ja schließlich schon seit Jahrzehnten? Allein, nur die Erfahrung macht es nicht – man spürt bei allen auch die Freude an der fehlerfreien Durchführung, am eingespielten Ablauf. Das zeigt sich allenthalben und an vielen Details.

So zum Beispiel wurden vor den Runden TeilnehmerInnen geehrt, die gerade ihre 50.Vorrunde absolvierten, oder am Turniertag ihren neunten Geburtstag feierten. Ruft das nicht nach freiem Kaffee für alle!? Aber SO weit ging das Orga-Team dann doch nicht, und der DSB will ja auch sparen. Es gibt indes frische Äpfel umsonst, im Rahmen der Obstoffensive der DSAM.).


Warten auf die Kaffee-Offensive der DSAM

Finstere Schatten fielen einst auf die Deutsche Amateurmeisterschaften, als Gründervater Dirk Jordan aus Dresden offenbar einige der nicht unerheblichen Hotelprovisionen für Jahre am Deutschen Schachbund vorbei in DSB-fernere Bereiche manövrierte. Skandal!

Denn das umtriebige DSAM-Team vor Ort, Schiris, Medienschaffende, Turnierhelfer – sie alle bekamen außer vieler Dankesworte für ihr Engagement nur einen überschaubaren Spesensatz pro Tag. Der große Rest des Turnier-Überschusses wanderte dann mutmaßlich in eine schachbundferne Anschlussverwendung.

Doch Schwamm drüber! Auch dieses Problem wurde gelöst, Richter haben darüber befunden, und der DSB führt die Turniere nun selber durch. Schon waren wir mit diesmal vier Werderanern in DÜSseldorf, zusammen mit 600 und mehr Turnierschaffenden, bereit für sehr viel Schachsport, rasch durchgeführt an drei Tagen!


Düsseldorf lockt mit mannigfachen touristischen Highlights


Einkehren kann man in einem Café mit Buchladen – und kein Zufall, genau hier stand das Geburtshaus Heinrich Heines!

Vorentlastend wurde weiter oben ja bereits erwähnt, dass nur sieben weiterkommen können in die große Endrunde. Das ist, wie jedermann weiß, gar nicht so einfach. Was bereits entschuldigt, dass die Werderanier Max und Ben Weidenhöfer sowie Stephan Buchal und ich es diesmal nicht unter diese Sieben schaffte. Aber wir kommen wieder!

Und dabei hatte ich mir am zweiten Wettkampf extra noch meine brandneuen magischen Turniersocken angezogen, mehr oder weniger frisch von der Kaufhaus-Stange!


Was soll da noch schiefgehen?


Runde 3, Claus Pitschka (Garching) – Tiger-Oli: Weiß scheute 1.Lxh6, Dxf3 2.gxf3 mit verminderten Gewinnchancen. Daher folgte 1.g2-g4, um die Dame von f5 zu vertreiben. Leserrätsel: Was soll Schwarz tun?


Round 4, Tiger-Oli – Detlev Wolter (Bochum): Weiß ist zwar am Zug, aber jeder Zug führt nach 1…f7-f6 oder 1… Lxe5 und 2…Sf4 direkt in den Untergang. Ein massiver Orang-Utan-Fail, und bald 0:1


Und so sahen sie aus, meine magischen Socken – nach nur einem langen Tag bei der DSAM. Reine Magie!

 

Wenn ich bei meiner Liebsten bin, dann geht das Herz mir auf,
dann bin ich reich in meinem Sinn, ich biet die Welt zu Kauf.
Doch wenn ich wieder scheiden muss aus ihrem Schwanenarm,
dann schwindet all mein Überfluss, und ich bin bettelarm.

Heinrich Heine, Wenn ich bei meiner Liebsten bin


Das Café im Heinrich-Heine-Haus – mit einer Skulptur von …!?

Turnierseite der DSAM, mit allen Ergebnissen

Für die Galerie gespielt? Hier sind von Ingrid Schulz sehr hübsch eingefangene Fotos aus Düsseldorf!

Und von Max Weidenhöfer ein Bericht auf der Werder-Seite!

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Olaf Steffens

FIDE-Meister seit 1997, seit 2007 Spieler für Werder Bremen in der Zweiten Bundesliga, Oberliga und Landesliga. Größte Erfolge: Landesmeister von Schleswig-Holstein 1994, Erster Deutscher Amateur-Meister 2002, Bremer Pokalsieger 2013! Größte Misserfolge: Werd´ ich hier lieber nicht sagen! Diplom-Handelslehrer, ich unterrichte an einer Bremer Berufsschule Englisch, Buchführung und Wirtschaft. Lest weiter hier: https://veganeschachkatzen.de/ueber-mich/

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2 Comments

  1. Ich würde ja behaupten, dass der Schachfreund Claus Pitschka mit g4 den Damentausch unter noch günstigeren Umständen zugelassen hat 🙂

    (Fressen Katzen eigentlich Trolle? Falls ja, scheint sich kürzlich etwas Katzenfutter hierher verirrt zu haben.)

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